Johannes Silberschneider liebt gebackene Steinpilze mit Erdäpfelsalat

Dienstag ist wieder Prominententopf – und diesmal kam die Leibspeise nicht per E-Mail zu mir. Sie kam direkt übers Telefon. Von Johannes Silberschneider.

Und zwar genau in einem Moment, in dem ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte.

Ich stand gerade in der Küche und bereitete ein Rindsgeschnetzeltes Stroganoff zu. Pfanne heiß, Fleisch bereit, in Gedanken schon beim Essen – da läutet das Telefon.

Eine deutsche Nummer.

Na wunderbar, dachte ich mir. Wahrscheinlich wieder irgendein Zeitungskeiler oder jemand, der mir etwas verkaufen will, das ich seit 30 Jahren nicht brauche.

Am anderen Ende meldete sich ein Mann, den ich zuerst auch noch schwer verstand. Eigentlich war ich schon knapp davor, das Gespräch freundlich zu beenden.

Also fragte ich noch einmal:

„Entschuldigung, mit wem spreche ich?“

„Hallo, ich bin’s, der Johannes Silberschneider. Sind Sie der Foodblogger Peterschmankerl?“

Moment.

Der Johannes Silberschneider?

Ja, der bin ich – also Peterschmankerl, nicht der Silberschneider.

Und plötzlich war mein Stroganoff für ein paar Minuten Nebensache.

Johannes Silberschneider – aber nicht „mein“ Hannes

Jetzt wurde die Geschichte für mich noch interessanter.

In meiner Jugend kannte ich nämlich einen Johannes Silberschneider. Einen Hannes, mit dem ich in einer Pfadfindergruppe war. Jahrgang 1958, also ungefähr unser Alter – und noch dazu aus der Steiermark.

Da gingen bei mir sofort die Gedanken zurück in die Jugendzeit.

Kann das wirklich der Hannes von damals sein?

Nein. Leider nicht.

Das stellte sich bei unserem Gespräch recht schnell heraus. Mein Jugendfreund und der Schauspieler Johannes Silberschneider sind nicht dieselbe Person.

Aber ganz ehrlich: Enttäuscht war ich trotzdem keine Sekunde.

Denn Johannes Silberschneider war am Telefon ein ausgesprochen netter und unkomplizierter Gesprächspartner. Einer, mit dem man nicht nur ein Interview führen möchte, sondern bei dem ich mir sofort dachte:

Mit dem würde ich auch auf ein Bier gehen.

Wer ist Johannes Silberschneider?

Johannes Silberschneider wurde am 13. Dezember 1958 in Mautern in der Steiermark geboren.

Schon während seiner Schulzeit in Eisenerz spielte er Theater und machte Musik. Nach der Matura führte ihn sein Weg an das renommierte Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

Es folgte eine beeindruckende Karriere auf Theaterbühnen sowie in Film und Fernsehen.

Auch international war er in Produktionen zu sehen. Besonders bemerkenswert: Der Kurzfilm „Copy Shop“ von Virgil Widrich, in dem Silberschneider die Hauptrolle spielte, wurde für einen Oscar nominiert.

2012 erhielt er den Großen Diagonale-Schauspielpreis. Auch bei den Salzburger Festspielen stand er mehrere Jahre als „Armer Nachbar“ im „Jedermann“ auf der Bühne.

Ein Schauspieler also, der schon einiges erlebt hat – und trotzdem am Telefon so redet, als würde man sich zufällig am Nachbartisch im Gasthaus treffen.

So mag ich Menschen.

Und was isst Johannes Silberschneider am liebsten?

Natürlich musste ich irgendwann zu jener Frage kommen, wegen der es den Prominententopf überhaupt gibt:

„Was ist Ihre Leibspeise?“

Bei Johannes Silberschneider musste die Antwort offenbar aus dem Wald kommen.

Er liebt gebackene Steinpilze mit einem richtig saftigen Erdäpfelsalat.

Aber auch Eierschwammerl in Rahmsauce mit Semmelknödeln gehören zu seinen Favoriten.

Eierschwammerlsauce mit Semmelknödel liebt Johannes Silberschneider auch

Da musste ich schmunzeln.

Paul Pizzera hatte mir ebenfalls vom Eierschwammerlgulasch erzählt.

Steirer eben.

Bei Johannes Silberschneider darf es außerdem gerne ein schöner Parasol sein. Kurz gesagt: Der Mann ist ein ausgesprochener Pilzfan.

a close up shot of mushrooms
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Wenn nur der Regen mitspielen würde

Über eines haben wir natürlich ebenfalls gesprochen: Pilze muss man zuerst einmal finden.

Und damit schaut es heuer nicht überall besonders rosig aus. Trockenheit ist für Schwammerlsucher ungefähr so erfreulich wie eine leere Bierkiste beim Frühschoppen.

Johannes hofft deshalb, dass Ende August noch ausreichend Regen kommt und anschließend Steinpilze, Eierschwammerl und vielleicht auch einige Parasole aus unseren Wäldern schauen.

Ich würde es ihm – und uns allen – wünschen.

Und wenn ihr tatsächlich schöne feste Steinpilze bekommt, dann probiert seine Leibspeise.

panierte Steinpilze

Rezept: Gebackene Steinpilze mit saftigem Erdäpfelsalat

Zutaten für 4 Personen

Für die gebackenen Steinpilze

  • 600–700 g frische, feste Steinpilze
  • ca. 100 g Mehl
  • 2–3 Eier
  • ca. 150 g Semmelbrösel
  • Salz
  • etwas Pfeffer
  • Butterschmalz oder neutrales Pflanzenöl zum Herausbacken
  • 1 Zitrone

Für den Erdäpfelsalat

  • 800 g festkochende Erdäpfel
  • 1 kleine Zwiebel
  • ca. 200 ml kräftige Rindsuppe oder Gemüsebrühe
  • 3–4 EL guter Weinessig
  • 4 EL neutrales Pflanzenöl
  • 1 TL Estragonsenf
  • Salz
  • Pfeffer
  • eine kleine Prise Zucker
  • Schnittlauch nach Geschmack

Zubereitung

Erdäpfelsalat

Die Erdäpfel in der Schale kochen, noch warm schälen und in dünne Scheiben schneiden.

Die Zwiebel sehr fein schneiden.

Suppe erwärmen und mit Essig, Senf, Salz, Pfeffer und einer kleinen Prise Zucker abschmecken. Gemeinsam mit den Zwiebeln über die noch warmen Erdäpfel geben und vorsichtig vermengen.

Einige Minuten ziehen lassen.

Erst danach das Öl untermischen.

Der Erdäpfelsalat muss schön saftig und leicht glänzend sein. Wenn er die ganze Flüssigkeit aufsaugt, noch etwas warme Suppe dazugeben.

erdäpfelsalat

Ein trockener Erdäpfelsalat ist für mich kein Erdäpfelsalat, sondern eine verpasste Gelegenheit.

Vor dem Servieren noch einmal abschmecken und mit Schnittlauch bestreuen.

Steinpilze vorbereiten

Die Steinpilze sauber putzen. Ich wasche gute Steinpilze möglichst nicht unter fließendem Wasser, sondern entferne Erde und Waldreste vorsichtig mit einem Messer, Pinsel oder feuchten Tuch.

Die Pilze je nach Größe längs in ungefähr 5 bis 8 mm dicke Scheiben schneiden.

Leicht salzen und pfeffern.

Panieren

Drei Schüsseln oder Teller vorbereiten:

  1. Mehl
  2. verquirlte Eier
  3. Semmelbrösel

Die Steinpilzscheiben zuerst in Mehl wenden, durch das Ei ziehen und anschließend locker in den Bröseln wenden.

Die Panier nicht festdrücken.

Herausbacken

Butterschmalz oder Öl in einer Pfanne auf etwa 170 °C erhitzen.

Die panierten Steinpilze portionsweise goldbraun herausbacken. Die Pfanne dabei nicht überfüllen.

Anschließend auf Küchenpapier kurz abtropfen lassen und sofort servieren.

Dazu kommt der saftige Erdäpfelsalat und für mich gehört unbedingt eine Zitronenspalte auf den Teller.

Peters Küchengeheimnis

Bei gebackenen Steinpilzen braucht es keine Gewürzorgie.

Wenn ich einen wunderbaren Steinpilz aus dem Wald bekomme, möchte ich danach auch noch wissen, dass es ein Steinpilz war.

Deshalb: gute Pilze, Salz, ein wenig Pfeffer, eine knusprige Panier – fertig.

Und ganz wichtig: Die panierten Pilze nicht ewig herumliegen lassen. Panieren, herausbacken und essen.

So sind sie außen knusprig und innen noch wunderbar saftig.

Mein Fazit zum Prominententopf

Manchmal entstehen die schönsten Geschichten ungeplant.

Ich wollte an diesem Tag eigentlich nur mein Stroganoff fertig kochen und bei einer unbekannten deutschen Telefonnummer beinahe wieder auflegen.

Zum Glück habe ich noch einmal gefragt, wer am anderen Ende ist.

Sonst hätte ich Johannes Silberschneider und seine Leibspeise nie kennengelernt.

Und auch wenn er nicht jener Hannes aus meiner Pfadfinderzeit war, den ich für einen kurzen Moment vermutet hatte: Es war ein ausgesprochen sympathisches Gespräch.

Lieber Johannes, danke fürs Anrufen, fürs Plaudern und fürs Verraten deiner Leibspeise.

Und sollte es dich wieder einmal nach Klagenfurt verschlagen:

Das Bier, von dem wir hier gerade reden, wäre jedenfalls schnell organisiert.

Die Steinpilze hoffentlich auch.

Bildquelle: Wikipedia, Manfred Werner – 
Tsui

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