Bei unserem alljährlichen Straßenfest treffen sich liebe Freunde und Bekannte, jeder bringt etwas mit, und am Ende steht eine ganze Tafel voller Köstlichkeiten da. Genau solche Feste liebe ich: Man sitzt zusammen, kostet sich durch die verschiedensten Gerichte und entdeckt dabei manchmal etwas, das man überhaupt nicht auf dem Radar hatte. Und genau so ging es mir diesmal , ich kostete die selbstgemachte pikante Tomatenmarmelade.

Ich bin Koch und habe in meinem Leben schon so einiges gekocht, gekostet und ausprobiert. Aber ich muss gestehen: Tomatenmarmelade hatte ich bis zu diesem Straßenfest noch nie gegessen – geschweige denn selbst gemacht.
Dann kam der erste Löffel.
Und ich war begeistert.
Diese Marmelade war fruchtig, würzig, leicht süßlich und hatte genau die richtige pikante Note. Zum gegrillten Fleisch war sie für meinen Geschmack besser als jedes gewöhnliche Ketchup, jede Grillsauce oder Aioli.
Da musste natürlich sofort das Rezept her!
Nicht nur zum Grillen
Tomatenmarmelade sollte man eigentlich gar nicht nur als Marmelade sehen. Für mich ist sie vielmehr eine pikante Tomatenkonfitüre oder ein feiner Begleiter zu herzhaften Speisen.
Sie passt hervorragend zu:
- gegrilltem Schweinefleisch
- Steak
- Hendl
- Würstel
- Burgern
- kaltem Braten
- einer Käseplatte
- kräftigem Bergkäse
- Ziegenkäse
- Gorgonzola
- Dolce Latte
Gerade die Kombination aus der fruchtigen Tomate, etwas Chili, Zitrone und der feinen Vanillenote stelle ich mir zu einem cremigen Gorgonzola oder Dolce Latte fantastisch vor.
Rezept für selbstgemachte Tomatenmarmelade
Zutaten
- 1 kg reife Tomaten
- 500 g Gelierzucker 2:1
- nach Geschmack 3 kleine Zwiebeln
- 3 EL Olivenöl
- 1 Bio-Zitrone
- 1 Knoblauchzehe
- 1–2 Lorbeerblätter
- 1 Bund frisches Basilikum
- 1 TL Salz
- 1 Vanilleschote
alternativ 1 TL Vanilleextrakt oder 1 Päckchen Vanillezucker - etwas Chilipulver oder 1 kleine Chilischote
- frisch gemahlener Pfeffer nach Geschmack
Nach Belieben zusätzlich:
- Oregano
- Rosmarin
- Thymian
Vorbereitung
Die Tomaten gründlich waschen, vierteln und den Strunk entfernen. Anschließend die Tomatenstücke bereitstellen.
Wer Zwiebeln verwenden möchte, schält diese gemeinsam mit der Knoblauchzehe und schneidet beides fein.
Das Basilikum waschen und grob schneiden.
Von der Bio-Zitrone die Schale fein abreiben. Danach die Zitrone halbieren und den Saft auspressen.
Die Vanilleschote der Länge nach aufschneiden und mit dem Messerrücken vorsichtig das Mark herauskratzen.
Zwiebel und Knoblauch anschwitzen
Das Olivenöl in einem ausreichend großen Topf erhitzen.
Zwiebel und Knoblauch darin bei mittlerer Hitze glasig anschwitzen.
Wer die Tomatenmarmelade ohne Zwiebeln zubereitet, gibt die Tomaten direkt ins warme Olivenöl und lässt sie kurz andünsten.
Tomaten köcheln lassen
Salz, Lorbeerblatt, Zitronenschale und etwas Chili dazugeben.
Nun kommen die vorbereiteten Tomatenstücke und das Vanillemark in den Topf.
Alles bei kleiner bis mittlerer Hitze ungefähr 10 Minuten köcheln lassen. Dabei immer wieder umrühren, damit nichts am Topfboden ansetzt.
Anschließend das Basilikum unterrühren.
Jetzt wird püriert
Ganz wichtig:
Vor dem Pürieren unbedingt die Lorbeerblätter entfernen!
Nun die Tomatenmasse mit dem Stabmixer pürieren.
Wie fein, das bleibt jedem selbst überlassen. Wer eine elegante, glatte Tomatenmarmelade möchte, püriert sie sehr fein. Ich persönlich finde ein wenig Struktur gar nicht schlecht – schließlich soll man noch merken, dass hier echte Tomaten im Glas sind.
Gelierzucker dazugeben
Jetzt den Gelierzucker 2:1 und den frisch gepressten Zitronensaft zur Tomatenmasse geben.
Alles gut verrühren und anschließend ungefähr 5 Minuten sprudelnd kochen lassen.
Dabei ständig oder zumindest sehr regelmäßig umrühren.
Abschmecken
Jetzt kommt der wichtigste Teil für jeden Koch:
Probieren!
Je nach persönlichem Geschmack kann die Marmelade nun noch mit Pfeffer, Chili, Oregano, Thymian oder ein wenig Rosmarin verfeinert werden.
Aber Vorsicht: Nicht alle Gewürze gleichzeitig hineinschütten. Die Tomate soll immer noch die Hauptrolle spielen.
Lieber langsam würzen, kosten und nochmals nachwürzen.
Gelierprobe machen
Einen kleinen Löffel der heißen Tomatenmarmelade auf einen kalten Teller geben und kurz warten.
Wird die Masse nach kurzer Zeit fest beziehungsweise dicklich, ist die Marmelade fertig.
Ist sie noch sehr flüssig, einfach noch etwas weiterköcheln lassen und die Gelierprobe wiederholen.
In Gläser füllen
Die fertige Tomatenmarmelade sofort heiß in sauber vorbereitete beziehungsweise sterilisierte Einmachgläser füllen.
Die Gläser gut verschließen und anschließend vollständig auskühlen lassen.
Kühl, dunkel und trocken lagern.
Nach dem Öffnen gehört die Tomatenmarmelade natürlich in den Kühlschrank.
Mein Küchenprofi-Tipp
Verwendet dafür wirklich reife und aromatische Tomaten. Eine Tomate, die nach nichts schmeckt, wird auch durch Gelierzucker nicht plötzlich zum Geschmackswunder.
Bei sehr wasserreichen Tomaten kann es außerdem notwendig sein, die Masse vor der Zugabe des Gelierzuckers etwas länger einkochen zu lassen.
Und mit Chili würde ich vorsichtig beginnen. Nachschärfen kann man immer – herausholen wird schwierig.
Mein Fazit
Ich hätte nicht gedacht, dass mich nach so vielen Jahren als Koch eine Tomatenmarmelade noch derart überraschen kann.
Aber genau deshalb liebe ich solche Straßenfeste mit Freunden. Jeder bringt etwas mit, jeder kennt ein anderes Rezept und plötzlich entdeckt man etwas, das man selbst noch nie probiert hat.
Diese Tomatenmarmelade gehört für mich definitiv dazu.
Zum nächsten Grillabend stelle ich jedenfalls lieber ein Glas davon auf den Tisch als die dritte Flasche Ketchup.
Und spätestens wenn dazu noch ein Stück Gorgonzola oder Dolce Latte auf dem Teller liegt, wird aus der vermeintlichen „Marmelade“ eine richtig feine Delikatesse.
Man lernt eben auch als alter Koch nie aus – und das ist gut so.
