Neun Tage waren wir auf meiner Weltreise unterwegs – diesmal führte mich die Reise nach Marokko. In den nächsten Wochen erzähle ich euch von den Städten, den Begegnungen und natürlich vom Essen. Jetzt bin ich aber erst einmal froh, wieder daheim im schönen Kärnten zu sein.
Kulinarisch hat mich die Reise persönlich enttäuscht. Das liegt nicht an den marokkanischen Speisen und Rezepten, wie man sie aus Kochbüchern kennt – die Küche klingt wunderbar aromatisch. Meine Kritik bezieht sich auf das Essen und die Küchenhygiene, die ich auf dieser konkreten Rundreise erlebt habe.
Was mir am Buffet aufgefallen ist
Über 40 Jahre war ich als Koch tätig. Hygiene und HACCP gehörten für mich deshalb zum Berufsalltag – und offenbar schaut der alte Küchenchef auch im Urlaub automatisch hin. Bevor ich mir am Buffet etwas nehme, prüfe ich, was angeboten wird und wie Speisen aussehen, riechen und präsentiert werden.
Schon am ersten Reisetag fielen mir Mängel auf. Besonders bei den warmen Speisen wurde ich hellhörig: Sie wirkten auf mich nur lauwarm. Bei einer Kontrolle zeigte die Anzeige für ein gegrilltes Huhn 37 Grad. Das ist für eine heiße Speise eindeutig zu wenig. Als Faustregel für die Heißhaltung gelten mindestens 60 °C; entscheidend sind die örtlichen Vorschriften und eine zuverlässige Temperaturkontrolle. Eine einzelne Anzeige sagt freilich nicht automatisch, wie lange ein Gericht schon so gestanden hat – aber sie war für mich Grund genug, nachzufragen.
Einige Bekannte meinten, ich solle mich nicht aufregen. Das konnte ich als alter Hygieneapostel natürlich nicht einfach übergehen. Ich bat den zuständigen Koch um eine Erklärung und darum, mein Essen ordentlich zu erhitzen. Nach längerem Warten wurde schließlich mein Teller in der Mikrowelle erwärmt. Die übrigen Speisen am Buffet blieben nach meiner Beobachtung unverändert.
Im Verlauf der Reise erkrankten mehrere Teilnehmer. Auch mir ging es zeitweise nicht gut. Die Ursache wurde uns nicht mitgeteilt und ist mir nicht bekannt. Deshalb kann ich nicht behaupten, dass die Erkrankungen durch ein bestimmtes Essen oder durch die beobachteten Temperaturen ausgelöst wurden. Besonders in Erinnerung blieb mir, dass ein Mitreisender am Flughafen in der Warteschlange zusammenbrach und medizinische Hilfe brauchte. Das war ein beunruhigender Moment für die ganze Gruppe.
Ich erzähle das nicht, um ein ganzes Land oder seine Küche über einen Kamm zu scheren. Ich berichte von meinen persönlichen Beobachtungen auf dieser Reise. Marokko hat eine reiche Esskultur, die ich gern noch besser kennenlernen möchte – am liebsten irgendwann dort, wo Qualität und Küchenhygiene genauso ernst genommen werden wie Geschmack und Gewürze.
Willkommen daheim: Beinschinken und ein guter Kaffee
Nach der Rückkehr nach Wien schmeckte mir eine ganz einfache Jause besonders gut: eine ofenfrische Beinschinkensemmel von der Anker Bäckerei am Westbahnhof, mit Butter, Kren und Essiggurkerl. Dazu ein Latte macchiato – und schon war die Welt wieder ein kleines Stück in Ordnung.
Am nächsten Tag ging es ins Pulkautaler Weinhaus in Wien. Dort habe ich einen kräftigen Wiener Suppentopf genossen. Genau das Richtige nach einer langen Reise: heiß, herzhaft und mit einer guten Rindssuppe, die nach Hausmannskost schmeckt. Weil es hier schließlich auch um Rezepte geht, habe ich euch eine klassische, für zuhause gut nachkochbare Variante mitgebracht.
Wiener Suppentopf
Ein kräftiger Rindssuppentopf mit zartem Rindfleisch, Wurzelgemüse und Nudeln. Das ist ein wärmendes Mittagessen für vier Personen und schmeckt am nächsten Tag fast noch besser.

Wiener Suppentopf
Zutaten
Zubereitung
- Das Rindfleisch in einen großen Topf legen und mit kaltem Wasser bedecken. Langsam erhitzen. Sobald sich Schaum bildet, diesen sorgfältig abschöpfen.
- Die halbierte Zwiebel mit der Schnittfläche nach unten in einer trockenen Pfanne dunkel anrösten. Das gibt der Suppe Farbe und ein feines Röstaroma.
- Zwiebel, Pfefferkörner, Wacholderbeeren, Lorbeerblatt und Knoblauch zur Suppe geben. Nur leicht salzen und die Suppe zugedeckt bei kleiner Hitze etwa 1½ Stunden sanft ziehen lassen. Sie soll nicht wild kochen.
- Karotten, gelbe Rübe, Sellerie, Lauch und gegebenenfalls Petersilienwurzel putzen. Das Gemüse je nach gewünschter Einlage in Scheiben oder mundgerechte Stücke schneiden.
- Das Fleisch aus der Suppe heben und warm halten. Die Suppe durch ein feines Sieb abseihen, zurück in den Topf geben und mit Salz abschmecken.
- Das Gemüse in der Suppe je nach Größe etwa 10–15 Minuten bissfest garen. In einem zweiten Topf die Suppennudeln nach Packungsangabe kochen und abseihen.
- Das Fleisch quer zur Faser in mundgerechte Stücke schneiden. Mit Nudeln und Gemüse auf tiefe Teller verteilen und mit der heißen Suppe übergießen.
- Mit Petersilie bestreuen und nach Wunsch mit frisch geriebenem Kren servieren.
Notizen
Tipp vom Koch: Nudeln am besten separat kochen und erst beim Anrichten in die Teller geben. So bleibt die Suppe klar und die Nudeln saugen nicht den ganzen Sud auf. Wer mag, gibt noch klein geschnittene Frittaten oder frisch geschnittenen Schnittlauch dazu.
Wieder daheim – und schon wartet der nächste Kochtopf
Die Reise nach Marokko hat viele Eindrücke hinterlassen. Über manche werde ich noch ausführlicher schreiben, über schöne und weniger schöne. Und natürlich wird es hier weiterhin Rezepte geben – denn nach neun Tagen unterwegs freue ich mich jetzt besonders darauf, wieder selbst in meiner Kärntner Küche zu stehen.
Wie erlebt ihr das im Urlaub: Schaut ihr bei Buffets auch auf Temperatur und Präsentation, oder vertraut ihr darauf, dass alles passt? Schreibt es mir gern in die Kommentare.
