delicious cheeseburger on wooden plate

Kärntner Frigga einmal anders – meine „Unter-der-Bühne-Version“ aus dem Europapark

Es gibt Gerichte, bei denen braucht man kein Kochbuch. Man braucht nur ein paar gute Zutaten, Hunger – und eine Geschichte dazu.

Illustration mit Kärntner Farben vor traditionellen Speisen und dem Schriftzug „Donnerstag – Uralte Kärntner Rezepte“ als kulinarische Blog-Serie

Die Kärntner Frigga mit Speck und Käse ist so ein altes Gericht. Eigentlich ein einfaches Essen aus der bäuerlichen und alpinen Küche: Speck, Käse, manchmal Eier – kräftig, unkompliziert und genau das Richtige, wenn man ordentlich gearbeitet hat.

Meine Frigga-Geschichte spielt allerdings nicht auf einer Alm. Sie spielt unter einer Musikbühne mitten im Europapark in Klagenfurt.

Wdb
Das Wdb Team

Die „Woche der Begegnung“ – und ich mittendrin

Damals gab es in Klagenfurt die Woche der Begegnung, kurz WdB. Im Europapark stand ein großes Veranstaltungszelt, und an den Sommerabenden spielten dort Musiker und Bands, die Rang und Namen hatten.

Ich war damals einer der Hilfsarbeiter. Heute würde man wahrscheinlich vornehmer Roadie dazu sagen. Wobei wir eigentlich Mädchen und Burschen für alles waren.

Wir bereiteten vor, halfen beim Ablauf, schleppten, organisierten und machten Ordnerdienst. Heute würde das wohl alles unter Security, Eventmanagement und Stage Crew laufen. Wir waren einfach das WdB-Team.

Auch die Polizei war präsent, allerdings nicht ständig sichtbar. Wenn etwas gewesen wäre, wäre sie sofort zur Stelle gewesen. Wirklich große Probleme gab es aber kaum.

Unser größtes Problem war ohnehin ein ganz anderes:

Wir hatten ständig Hunger und Durst.

Und damals war bei solchen Veranstaltungen auch das Bier für die Mannschaft noch ziemlich selbstverständlich. Andere Zeiten eben.

Jeden Abend Grillhendl oder Bratwurst – irgendwann reicht’s

Beim Essen war die Auswahl überschaubar.

Meistens gab es Grillhendl mit Erdäpfelsalat oder eine Bratwurst. Das schmeckt mir grundsätzlich beides – aber wenn du es Abend für Abend isst, beginnt selbst ein gutes Grillhendl irgendwann verdächtig nach Dienstplan zu schmecken.

Also musste etwas anderes her.

Und da kam der Koch in mir durch.

Ich besorgte Hamburger Bauchspeck, würzigen Bergkäse und resche Kaisersemmeln. Von zu Hause brachte ich einen Plattentoaster mit.

Unsere Küche richteten wir dort ein, wo uns möglichst niemand beim Essen zuschauen konnte:

unter der Bühne.

Denn eines war wichtig: Die vielen „Schmarotzer“, die plötzlich auftauchen, sobald irgendwo etwas Gutes gebrutzelt wird, sollten unsere kleine Labestation besser nicht entdecken. 😉

Wenn es unter der Bühne nach Speck und Käse duftet …

Auf dem heißen Plattentoaster briet ich den Bauchspeck richtig knusprig. Darauf kamen Scheiben vom Bergkäse.

Der Käse begann zu schmelzen, verband sich mit dem heißen Speck und dessen Bratensaft – und spätestens jetzt war es mit der Geheimhaltung eigentlich vorbei.

Diesen Duft konnte man nicht einsperren.

Das Ganze kam in eine frische, resche Kaisersemmel. Und wer wollte, bekam noch einen ordentlichen Klecks Ketchup dazu.

Keine klassische Frigga nach Lehrbuch.

Aber für mich war das unsere WdB-Frigga.

Ich machte davon an manchen Abenden viele, viele Semmeln für unser Ordnerteam.

Und während wir unten unter der Bühne brutzelten, wurde oben der Soundcheck gemacht.

Opus, EAV, Ambros, Edda, Bilgeri und andere standen auf der Bühne – und der Duft unserer Speck-Käse-Frigga zog nach oben.

Da wird wohl so manchem Musiker das Wasser im Mund zusammengelaufen sein.

Den Duft der Frigga kannten sie also.

Den Geschmack leider nicht. Schade eigentlich.


a hand cooking strips of meat on a frying pan
Photo by cottonbro studio on Pexels.com

Rezept: Meine Kärntner WdB-Frigga in der Semmel

Zutaten für 4 Personen

  • 8 kräftige Scheiben Hamburger Bauchspeck
  • 200–250 g würziger Kärntner Bergkäse, in Scheiben
  • 4 frische Kaisersemmeln
  • etwas Pfeffer
  • nach Geschmack Ketchup

Zubereitung

Den Plattentoaster, eine Grillplatte oder eine schwere Pfanne gut erhitzen.

Den Bauchspeck ohne zusätzliches Fett langsam anbraten, bis er auf beiden Seiten schön knusprig ist.

Nun den Bergkäse direkt auf den heißen Speck legen und schmelzen lassen. Genau dabei entsteht dieser Geruch, bei dem plötzlich Menschen auftauchen, die vorher angeblich überhaupt keinen Hunger hatten.

Die Kaisersemmeln aufschneiden. Wer möchte, kann die Schnittflächen kurz auf der heißen Platte anrösten.

Speck und geschmolzenen Käse direkt heiß in die Semmeln geben.

Nach Geschmack etwas Ketchup hinein – fertig.

Peters Küchentipp

Spart beim Käse nicht an der Qualität. Ein kräftiger, gut gereifter Bergkäse gehört hier einfach dazu. Und auch beim Speck darf ruhig etwas Fett dran sein. Genau dieses Fett nimmt beim Braten den Geschmack des Specks auf und verbindet sich mit dem schmelzenden Käse.

Das ist kein Diätessen.

Aber wir haben damals auch keine Kalorien gezählt. Wir haben Bühnen aufgebaut.

Alte Rezepte dürfen auch eigene Geschichten bekommen

Eine traditionelle Frigga sieht natürlich anders aus als meine Semmel aus dem Europapark. Aber genau das gefällt mir an alten Gerichten: Sie haben sich immer danach gerichtet, was vorhanden war, wer am Tisch saß und wie groß der Hunger war.

Und wenn ich heute Speck auf einer heißen Platte brutzeln höre und Bergkäse darauf schmelzen sehe, denke ich nicht zuerst an eine Kärntner Almhütte.

Ich denke an Sommerabende im Europapark, an Musik, Soundchecks, das WdB-Team – und an unsere kleine, gut versteckte Küche unter der Bühne.

So schmeckt Erinnerung. Und manchmal riecht sie nach gebratenem Speck und geschmolzenem Käse.

Peters Küchenpost – neue Kärntner Rezepte fast täglich per E-Mail

Entdecke mehr von Kochkaernten Blog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert