Wienerwald Grillhendl

Heute bleibt die Küche kalt – wir gehen in den Wienerwald

Wenn der Duft von Grillhendl durchs Haus zieht, bin ich wieder ein Bub. Heute zeige ich dir mein Wienerwald-Grillhendl mit Krautsalat – so, wie ich es in Erinnerung habe.

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Dort gab es das berühmte Grillhendl vom Spieß – serviert in einem geflochtenen Körbchen. Dazu kam Krautsalat, der irgendwie anders schmeckte als der von daheim.

Eine kleine Belohnung

Als Kind lebte ich bei meiner Mutter und meinem Stiefvater, nachdem sich meine Eltern scheiden ließen. Meine Mutter war zunächst Hausfrau und später Tagesmutter. Das war eine andere Zeit. Eine verheiratete Frau konnte damals nicht einfach selbst entscheiden, ob sie arbeiten ging: Bis zur Familienrechtsreform 1975 brauchte sie dafür die Zustimmung ihres Mannes. Die Reform änderte diese Rechtslage.

Wenn mein Stiefvater gut drauf war oder nach einem „Pfusch“ mit etwas extra verdientem Geld nach Hause kam, wurden wir zum Essen eingeladen. Warum genau, weiß ich heute nicht mehr. Vielleicht waren wir besonders brav – oder es gab einfach etwas zu feiern. Alltäglich war so ein Restaurantbesuch jedenfalls nicht. Für uns Kinder war er eine kleine Belohnung.

Das Wienerwald-Restaurant lag dort, wo heute der McDonald’s ist. Es gab einen kleinen Saal für die Laufkundschaft und einen größeren für Gesellschaften. Dort wurde auch musiziert. Alles war gemütlich eingerichtet, mit viel Holz, karierten Tischtüchern und Kellnerinnen im Dirndl.

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Pommes waren etwas Besonderes

Damals gab es für uns das berühmte Wienerwald-Grillhendl vom Spieß. Und immer den Krautsalat, der so anders schmeckte als zu Hause.

Wenn man besonders brav und artig war, durfte man sich das moderne Zeugs dazubestellen: Pommes frites. Als Draufgabe gab es eine Portion Heinz-Ketchup. Neumodisches Zeug aus Amerika – so kam es mir damals jedenfalls vor.

Für die starken Männer, denen ein halbes Hendl zu wenig war, gab es Grillstelzen. Natürlich ebenfalls vom Spieß.

Manchmal hieß es: „Iss zuerst die Beilagen und den Salat. Das Hendl, das übrig bleibt, nehmen wir morgen mit nach Hause.“ Der Rest wurde in eine Serviette gewickelt und in der Handtasche meiner Mutter verstaut. Heute muss ich darüber schmunzeln. Damals war Essen gehen selten, und nichts wurde verschwendet.

“Grillhendl und Krautsalat wie im Wienerwald – mein Rezept”.

Heute bin ich froh, wenn ich nicht auswärts essen muss. Ich koche lieber selbst: das, was ich gerne mag, und so, wie ich es kenne. Aber ein Grillhendl mit Krautsalat bringt die Erinnerung sofort zurück – an das Körbchen am Tisch und die Hoffnung auf eine Portion Pommes.

Die genaue Wienerwald-Gewürzmischung ist nicht öffentlich bekannt; Wienerwald bezeichnet seine Hausrezepturen als gehütete Geheimnisse. Dieses Rezept ist daher meine eigene Annäherung an den Geschmack von damals, kein bestätigtes Originalrezept. Mehr über die Wienerwald-Rezepturen


Grillhendl mit Krautsalat wie in meiner Erinnerung

Knuspriges Grillhendl

Grillhendl mit Krautsalat wie in meiner Erinnerung

Knuspriges Backrohr-Hendl mit würziger Paprika-Knoblauch-Marinade und einfachem Krautsalat. Eine persönliche Annäherung an den Geschmack meiner Erinnerung – keine bestätigte Wienerwald-Originalrezeptur.
Vorbereitungszeit 25 Minuten
Zubereitungszeit 1 Stunde 25 Minuten
Gesamtzeit 1 Stunde 50 Minuten
Portionen: 4 Personen
Gericht: Hauptgericht
Küche: Österreichisch

Zutaten
  

Für das Grillhendl
  • 1 ganzes Hendl ca. 1,4 kg
  • 1 EL neutrales Öl
  • 2 TL Salz
  • 1 TL edelsüßes Paprikapulver
  • ½ TL schwarzer Pfeffer
  • ½ TL Knoblauchpulver
  • ½ TL Zwiebelpulver
  • ½ TL getrockneter Majoran
Für den Krautsalat
  • 600 g Weißkraut
  • 1 TL Salz
  • 3 EL Weißweinessig
  • 2 EL neutrales Öl
  • 1 TL Zucker
  • ½ TL ganzer Kümmel
  • 3 EL warmes Wasser
  • Pfeffer nach Geschmack

Zubereitung
 

Krautsalat
  1. Das Weißkraut fein schneiden oder hobeln. Mit dem Salz vermischen und einige Minuten kräftig mit den Händen durchkneten, bis es etwas weicher wird.
  2. Weißweinessig, Öl, Zucker, Kümmel, warmes Wasser und Pfeffer verrühren. Über das Kraut gießen und gut vermischen. Mindestens 30 Minuten ziehen lassen.
Grillhendl
  1. Das Backrohr auf 190 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Das Hendl innen und außen gründlich trocken tupfen.
  2. Öl, Salz, Paprikapulver, Pfeffer, Knoblauchpulver, Zwiebelpulver und Majoran verrühren. Das Hendl rundherum und innen mit der Würzmischung einreiben.
  3. Das Hendl mit der Brust nach oben auf einen Rost legen und ein Backblech darunter einschieben. Je nach Größe 75–90 Minuten braten.
  4. Mit einem Fleischthermometer an der dicksten Stelle des Schenkels prüfen, ob das Hendl gar ist. Die Kerntemperatur sollte mindestens 74 °C betragen.
  5. Das Hendl aus dem Backrohr nehmen und vor dem Anschneiden etwa 10 Minuten rasten lassen. Mit Krautsalat und nach Wunsch Pommes frites servieren.

Notizen

Für besonders knusprige Haut das Hendl vor dem Würzen sorgfältig trocken tupfen. Den Krautsalat kannst du schon früher zubereiten – durchs Ziehen wird er aromatischer.

“Dazu passt auch…”

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