Ourika-Tal und Schnecken in Marrakesch – Babbouche im Gewürzsud

Babbouche und Marokko kulinarisch unterwegs: vom Atlasgebirge zu den Schneckentöpfen von Marrakesch

Geburtstag in Marrakesch – alles Gute, liebe Sibylle! ❤️🎂

10. Oktober 2026 | Unsere Marokko-Rundreise

Heute ist ein ganz besonderer Tag auf unserer Marokko-Rundreise. Meine liebe Frau Sibylle feiert Geburtstag! Und natürlich feiern wir alle mit.

Liebe Sibylle, alles Gute zum Geburtstag! ❤️

Ich wünsche dir von Herzen Gesundheit, Glück, Lebensfreude und noch viele wunderschöne gemeinsame Jahre. Wir haben schon so viel miteinander erlebt, und ich hoffe, dass noch unzählige gemeinsame Reisen, gemütliche Abende und kulinarische Abenteuer dazukommen.

Aber bevor wir heute richtig feiern, muss ich euch noch etwas von unserem gestrigen Abendessen erzählen.

Wenn der Koch auch im Urlaub Koch bleibt

Gestern Abend waren wir gemeinsam essen. Eine Bekannte aus unserer Reisegruppe war leider bereits etwas angeschlagen. Ob es am Essen, am Klima, an der ungewohnten Umgebung oder an etwas ganz anderem lag, wissen wir nicht.

Jedenfalls bin ich bei solchen Dingen besonders aufmerksam. Schließlich habe ich über 40 Jahre als Koch gearbeitet. Und eines kann ich euch sagen: Ein Koch geht vielleicht in Pension, aber sein kritischer Blick auf Lebensmittel niemals!

Als ich mir gestern am warmen Buffet mein Abendessen aussuchen wollte, fiel mein Blick wie so oft auf die Temperaturanzeigen.

Und da traute ich meinen Augen kaum!

Beim gegrillten Huhn zeigte die Temperaturanzeige gerade einmal 37 Grad Celsius.

37 Grad! Das ist ungefähr unsere Körpertemperatur.

Da gingen bei mir sämtliche kulinarischen Alarmglocken los.

Gerade Geflügel gehört zu den Lebensmitteln, bei denen man besonders auf die richtige Temperatur achten muss. Werden gegarte Speisen nicht ausreichend heiß gehalten, können sich Krankheitserreger vermehren.

Das gilt selbstverständlich nicht nur in Marokko, sondern in jeder Küche der Welt.

Auf Reisen bin ich allerdings besonders vorsichtig. Andere Temperaturen, ungewohnte Speisen und unterschiedliche Hygienebedingungen können unserem Magen ordentlich zusetzen.

37 Grad? Nicht mit mir!

Ich holte sofort den zuständigen Koch und machte ihn auf die Temperaturanzeige aufmerksam.

Ich erklärte ihm, dass mir diese Temperatur bei warmgehaltenem Huhn viel zu niedrig sei.

Und ich bestand darauf, dass meine Portion in der Mikrowelle noch einmal ordentlich durcherhitzt wird – auf mindestens 75 Grad im Kern.

Denn eines habe ich in meiner langen Berufslaufbahn gelernt: Bei der Lebensmittelsicherheit hört sich der Spaß auf.

Natürlich lässt sich aus einer Buffetanzeige allein nicht die tatsächliche Kerntemperatur des Fleisches bestimmen. Aber 37 Grad bei einer Warmhaltestation sind für mich jedenfalls ein Grund, genauer nachzufragen.

Vielleicht bin ich da besonders pingelig. Aber lieber einmal zu viel nachgefragt als anschließend den halben Urlaub auf der Toilette verbracht.

Das war also mein kleines kulinarisches Abenteuer vom gestrigen Abend.

Heute wird gefeiert – und hoffentlich hervorragend gegessen!

Aber genug von Temperaturen, Keimen und kritischen Kochblicken.

Heute gehört der Tag meiner Sibylle!

Wir beginnen hoffentlich mit einem richtig guten Frühstück, genießen unseren Urlaub und feiern ihren Geburtstag im kleinen Kreis mit unseren Freunden und Reisebegleitern.

Am Abend freue ich mich auf ein köstliches Essen. Vielleicht gibt es ja wieder eine marokkanische Spezialität, die mich begeistert.

Und anschließend darf natürlich ein gemütlicher Geburtstagsumtrunk nicht fehlen.

Ein gutes Gläschen Wein oder für mich ein schön gekühltes Bierchen – Hauptsache, wir können gemeinsam auf das Geburtstagskind anstoßen.

Liebe Sibylle!

Danke für all die gemeinsamen Jahre, deine Geduld, deinen Humor und dafür, dass du meine kulinarischen Abenteuer immer wieder mitmachst. Selbst dann, wenn ich im Urlaub plötzlich zum Küchenkontrolleur werde. 😄

Bleib gesund, bleib fröhlich und vor allem bleib so, wie du bist!

Alles Liebe und Gute zum Geburtstag, mein Schatz! ❤️🥂

Auf dich, auf uns und auf noch viele schöne gemeinsame Jahre!

Dein Peter


Peters Küchentipp: Gegartes Geflügel sollte beim Warmhalten ausreichend heiß bleiben, in der Regel über 60 °C. Beim erneuten Erhitzen achte ich darauf, dass es auch im Kern mindestens 75 °C erreicht. Gerade auf Reisen lohnt sich ein kritischer Blick auf warme Buffets. Eine Temperaturanzeige am Buffet ersetzt allerdings keine Messung im Inneren des Lebensmittels.

Diesmal führt mich meine kulinarische Reise hinaus aus dem Trubel von Marrakesch und hinein ins wunderschöne Ourika-Tal am Fuße des Hohen Atlas.

Was für ein Kontrast!

Noch vor kurzer Zeit ist man mitten im Gewusel von Marrakesch – Mopeds, Händler, Gewürzduft und Menschen überall – und wenig später rauscht neben einem der Fluss durchs Tal. Rundherum grüne Hänge, kleine Dörfer und dahinter die mächtigen Berge des Atlas.

Das Ourika-Tal liegt südlich von Marrakesch und ist bekannt für seine Berglandschaft, den Fluss, traditionelle Dörfer und die Wasserfälle rund um Setti Fatma.

Genau solche Tage liebe ich auf Reisen.

Nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern schauen, riechen und natürlich kosten.

Zurück in Marrakesch – jetzt wird es spannend

Nach unserem Ausflug ins Ourika-Tal ging es wieder zurück nach Marrakesch.

Und wenn ein Koch und Foodblogger durch einen marokkanischen Markt geht, schaut er natürlich nicht nur nach Souvenirs.

Gewürze!

Oliven!

Eingelegte Zitronen!

Minze!

Und dann standen da diese großen dampfenden Töpfe.

Babbouche – marokkanische Schnecken im Gewürzsud
bild von: Adam Harangozó

Schnecken!

Genauer gesagt Babbouche, eine bekannte marokkanische Streetfood-Spezialität. Die Schnecken werden in einem kräftigen Sud aus Kräutern und Gewürzen gekocht und anschließend samt Brühe in kleinen Schüsseln serviert. Gerade auf den Märkten von Marrakesch gehören solche Schneckentöpfe zum typischen Straßenbild.

Also her damit.

Und wie schmecken marokkanische Schnecken?

Ich sage es gleich:

Ein Traum!

Und für mich war nicht einmal die Schnecke selbst der Star.

Es war diese Brühe.

Kräftig, würzig, leicht scharf, kräuterig und mit einem Geschmack, den man mit unserer europäischen Küche kaum vergleichen kann.

Ich habe schon französische Schnecken gegessen – schön mit Knoblauch und Butter.

Aber diese marokkanische Variante?

Mir persönlich schmeckt sie noch besser.

Vor allem wegen dieses Gewürzsuds.

Am liebsten hätte ich am Ende die Schüssel ausgeschleckt. Aber als kulinarischer Journalist bewahrt man natürlich Haltung.

Zumindest solange jemand zuschaut. 😉

Und für alle, die jetzt sagen:

„Peter, Schnecken? Niemals!“

Da fällt mir nur mein alter Spruch ein:

Wer sich vor einer Schnecke ekelt, sollte beim nächsten Teller Muscheln besser nicht so genau darüber nachdenken.

Also: einmal kosten, dann urteilen.


Marokkanische Schnecken im Gewürzsud – Babbouche

Marokkanische Schnecken im Gewürzsud – Babbouche

Babbouche mit küchenfertigen Speiseschnecken, langsam in einem aromatischen Sud aus Kräutern und Gewürzen gegart. Marokkanisches Streetfood für vier Personen.
Portionen: 4 Personen
Küche: Marokkanisch

Zutaten
  

  • 800–1000 g küchenfertige Speiseschnecken in der Schale
  • 2,5 Liter Wasser ca.
  • 3 Knoblauchzehen
  • 2 TL getrockneter Thymian
  • 1 TL Anissamen
  • 1 TL Kümmel oder Kreuzkümmel
  • 1 TL Fenchelsamen
  • 1 kleine Zimtstange
  • 2 Lorbeerblätter
  • 4–5 Gewürznelken
  • 1 TL grüner Tee
  • 1 Stück Schale einer unbehandelten Orange
  • 1 EL getrocknete Minze
  • einige Zweige frische Minze
  • 1 kleine getrocknete Chilischote
  • 1 kleines Stück Süßholzwurzel wenn erhältlich
  • Salz
  • schwarzer Pfeffer optional etwas

Zubereitung
 

  1. Für meine Variante zu Hause ausschließlich küchenfertige Speiseschnecken vom Fachhandel verwenden. Die Schnecken gründlich unter kaltem Wasser abspülen. Keine selbst gesammelten Gartenschnecken verwenden – Herkunft und fachgerechte Vorbereitung sind wichtig.
  2. Wasser in einen großen Topf geben. Knoblauch leicht andrücken und mit Thymian, Anis, Kümmel oder Kreuzkümmel, Fenchel, Zimt, Lorbeer, Nelken, grünem Tee, Orangenschale, Minze, Chili und Süßholz ins Wasser geben. Etwas salzen. Alles ungefähr 15 Minuten leicht köcheln lassen, damit sich die Aromen lösen.
  3. Die vorbereiteten Schnecken in den Sud geben. Bei niedriger bis mittlerer Hitze etwa 1 bis 1½ Stunden sanft köcheln lassen beziehungsweise so lange, wie es für die verwendeten küchenfertigen Schnecken angegeben ist. Der Sud soll nicht wild kochen. Je länger Kräuter und Gewürze Zeit haben, desto intensiver wird die Brühe.
  4. Zum Schluss mit Salz abschmecken. Wer es gerne etwas schärfer mag, gibt noch etwas Chili dazu. Der Geschmack sollte kräftig, kräuterig und würzig sein – nicht einfach nur scharf.
  5. Eine kleine Schüssel Schnecken samt reichlich heißem Sud servieren. Mit einem Zahnstocher oder kleinen Spieß das Schneckenfleisch aus dem Haus holen. Danach die Brühe trinken.

Die Gewürzmischungen unterscheiden sich von Händler zu Händler. Typisch sind unter anderem Thymian, Anis, Kümmel, Minze, Orangenschale, Süßholz, Chili und teilweise grüner Tee.

So wird Babbouche gegessen

Und jetzt kommt der lustige Teil.

Eine kleine Schüssel Schnecken samt reichlich heißem Sud servieren.

Mit einem Zahnstocher oder kleinen Spieß das Schneckenfleisch aus dem Haus holen.

Essen.

Und danach unbedingt:

die Brühe trinken!

Bloß nicht stehen lassen.

Denn genau die war für mich in Marrakesch das Beste an der ganzen Sache.


Peterschmankerls Küchentipp

Wenn du dich an Schnecken noch nicht ganz herantraust, mach zuerst einmal nur diesen marokkanischen Kräuter-Gewürzsud.

Etwas kräftige Gemüse- oder Hühnerbrühe dazu, die gleichen Gewürze hinein und langsam ziehen lassen.

Dann bekommst du schon eine Ahnung davon, warum mich diese unscheinbare Brühe auf dem Markt so begeistert hat.

Aber beim zweiten Mal kommen die Schnecken hinein.

Keine Ausreden. 😉


Mein Marokko-Fazit des Tages

Das Ourika-Tal war landschaftlich ein Höhepunkt.

Aber genau deshalb liebe ich Reisen so sehr:

Man fährt am Morgen ins Atlasgebirge, sitzt zwischen Bergen und Fluss – und ein paar Stunden später steht man mitten in Marrakesch mit einer Schüssel Schnecken in der Hand.

Und plötzlich ist aus etwas, bei dem man zuerst vielleicht die Nase rümpft, eines der kulinarischen Erlebnisse der Reise geworden.

Babbouche würde ich jederzeit wieder essen.

Und die Brühe?

Von der hätte ich gerne einen ganzen Suppentopf mit nach Kärnten genommen.


Weitere kulinarische Reiseideen findest du bei meinen Scampi na buzaru und beim griechischen Stifado.

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