Als ich zum ersten Mal ans Meer kam, fuhren wir nach Bibione. Drei Tage konnten wir uns leisten. Mein Stiefvater war Alleinverdiener, und als Soldat verdiente er nicht besonders viel. Aber für mich als Kind waren diese drei Tage ein großes Abenteuer: das Meer, die Wellen und der feine Sand! Gesonders die Spaghetti mit Garnelen oder waren es doch Engerlinge?

Nur die kleinen Krebse am Ufer hätte ich nicht gebraucht. Die zwickten mich in die Füße, während ich doch einfach ins Wasser wollte. Dafür kostete ich dort zum ersten Mal Wassermelone. Herrlich war die!
In den Restaurants gab es noch etwas, das meine Eltern wenig begeisterte. „Engerlinge“ nannten sie die kleinen, hellen Dinger auf den Tellern. Ob es Garnelen oder Scampi waren, weiß ich heute nicht mehr. Ausgelöst, also ohne Schale, sahen sie für uns tatsächlich ein bisschen wie Engerlinge aus. Wir kannten solche Meeresfrüchte damals einfach nicht.

Ungefähr fünf Jahre alt war ich, als ich meine erste Banane bekam. Ich wusste weder, wie sie schmeckt, noch, dass man sie vorher schälen muss. Das ist über 60 Jahre her. Heute muss ich wohl keinem Kind mehr erklären, was eine Banane ist – und Garnelen sind längst auch bei uns auf vielen Speisekarten zu finden.
Für meinen Freitagsfang hole ich mir deshalb ein Stück Urlaub auf den Teller: Spaghetti mit Garnelen, Knoblauch und Paradeisern. Ein einfaches Gericht, bei dem die Garnelen im Mittelpunkt stehen.
Scampi oder Garnelen – was ist der Unterschied?

Die Bezeichnungen werden auf Speisekarten gern durcheinandergebracht. Echte Scampi sind Kaisergranat: Sie sind mit dem Hummer verwandt und haben gut sichtbare Scheren. Garnelen haben diese großen Scheren nicht. Für mein heutiges Rezept nehme ich Garnelen – die bekommt man leichter und sie passen wunderbar zu Spaghetti.


Spaghetti mit Garnelen, Knoblauch und Paradeisern
Zutaten
Zubereitung
- Die Garnelen trocken tupfen. Knoblauch fein schneiden, Paradeiser halbieren und die Petersilie hacken.
- Spaghetti in reichlich gesalzenem Wasser knapp bissfest kochen. Vor dem Abseihen eine Tasse Nudelwasser aufheben.
- Während die Nudeln kochen, 2 EL Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen. Die Garnelen darin bei mittlerer bis kräftiger Hitze kurz braten, bis sie gerade durchgegart sind. Aus der Pfanne nehmen und beiseitestellen.
- Das restliche Olivenöl in die Pfanne geben. Knoblauch und nach Wunsch Chili kurz anschwitzen, ohne den Knoblauch braun werden zu lassen. Paradeiser zugeben und etwa 3 Minuten braten.
- Mit Weißwein ablöschen und kurz einkochen lassen. Die Spaghetti mit einem Schuss Nudelwasser in die Pfanne geben und alles gut durchschwenken. Falls nötig, noch etwas Nudelwasser zugeben, bis sich ein leichter Saft um die Nudeln legt.
- Garnelen wieder dazugeben und nur noch kurz erwärmen. Mit Petersilie, etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.
Mein Küchentipp: Garnelen brauchen keine lange Garzeit. Wenn sie zu lange in der Pfanne bleiben, werden sie zäh. Und Parmesan lasse ich bei dieser Fischpasta weg – mir schmecken hier Olivenöl, Knoblauch und ein Spritzer Zitrone viel besser.
Wenn ich heute diese Spaghetti esse, denke ich manchmal an die drei Tage in Bibione. An die Wellen, die Wassermelone und sogar an die frechen kleinen Krebse. Nur die „Engerlinge“ von damals würde ich heute sofort bestellen.
