Prominententopf am Dienstag
Der Krisch ist tot.
Das klingt beinahe wie der Titel eines Theaterstücks. Kurz, hart und ein bisserl makaber.

Aber leider ist es kein Theaterstück, sondern wahr: Der österreichische Schauspieler Johannes Krisch ist am 27. Juli 2026 im Alter von nur 59 Jahren in einem Wiener Krankenhaus gestorben.
Jeder von uns muss irgendwann einmal sterben. Auch ein großer Schauspieler wie Johannes Krisch. Und auch ich. Hoffentlich irgendwann einmal – aber bitte noch lange nicht, denn ein paar Rezepte hätte ich schon noch auf Lager.
Johannes Krisch war ein Künstler, den ich sehr geschätzt habe und der mir in Erinnerung bleiben wird.
Er spielte nicht den schönen, braven Dressman, der frisch geföhnt durch eine romantische Fernsehkomödie spaziert. Krisch spielte oft die Unguten, die Gebrochenen, die Verdächtigen und die Menschen mit Abgründen.
Und genau darin war er großartig.
Einer, der seine Rollen nicht nur spielte
Johannes Krisch war über viele Jahre am Wiener Burgtheater und später am Theater in der Josefstadt tätig. Bekannt wurde er außerdem durch Filme und Serien wie „Revanche“, „Braunschlag“, „Der Trafikant“, „Märzengrund“ und zahlreiche „Tatort“-Produktionen.
Er hatte dieses markante Gesicht, diese raue Stimme und einen Blick, bei dem man nie genau wusste:
Will er dich gleich umarmen – oder im nächsten Moment im Wald verscharren?
Das meine ich natürlich als Kompliment.
Johannes Krisch war kein glatter Schauspieler. Er war ein Charakterdarsteller, dem man auch die unangenehmen Figuren abnahm. Vielleicht gerade deshalb, weil er ihnen immer etwas Menschliches gab.
Johannes Krisch kochte selbst
Auch kulinarisch war Johannes Krisch alles andere als oberflächlich.
Er kochte leidenschaftlich gerne und stand laut einem ausführlichen Porträt drei- bis viermal pro Woche für seine Familie am Herd. Er mochte natürliche Lebensmittel, gutes Roggenbrot mit Butter, Fisch, Meeresfrüchte und alte Gerichte wie Brotsuppe, Pofesen oder Löwenzahnsalat.
Süßigkeiten waren nicht unbedingt sein Fall. Mit einer deftigen Käseplatte oder Meeresfrüchten konnte man ihn eher locken als mit einem Dessert.
Als Koch kann ich nur sagen: Der Mann hatte Geschmack.
Seine Leibspeise: Tafelspitz
Abgesehen von Fisch aller Art bezeichnete Johannes Krisch den Tafelspitz als sein Leibgericht.
Dabei hatte er ganz genaue Vorstellungen.
Die kräftige Rindsuppe mit dem mitgekochten Gemüse war ihm besonders wichtig. Dazu mochte er Apfelkren. Statt fetter Rösterdäpfel bevorzugte er Petersilerdäpfel und anstelle der üblichen Schnittlauchsauce ließ er sich lieber Rahmfisolen oder frischen Spinat servieren.
Deshalb landet heute im Prominententopf:

Tafelspitz nach Johannes Krisch
Mit kräftiger Suppe, Wurzelgemüse, Apfelkren, Petersilerdäpfeln und Rahmfisolen.
Ein ehrliches österreichisches Gericht für einen außergewöhnlichen österreichischen Schauspieler.
Zutaten für 4 Personen
Für den Tafelspitz
- etwa 1,2 kg Tafelspitz
- 2,5 Liter Wasser
- 2 Markknochen, nach Wunsch
- 2 Karotten
- 2 gelbe Rüben
- ½ Sellerieknolle
- 1 Petersilienwurzel
- 1 Stück Lauch
- 1 große Zwiebel
- 8 schwarze Pfefferkörner
- 2 Lorbeerblätter
- Salz
- etwas Liebstöckel
- Schnittlauch zum Bestreuen
Für die Petersilerdäpfel
- 800 g festkochende Erdäpfel
- 40 g Butter
- 2 EL gehackte Petersilie
- Salz
Für den Apfelkren
- 2 säuerliche Äpfel
- 3–4 EL frisch geriebener Kren
- 1 TL Zitronensaft
- 1 Prise Zucker
- etwas Salz
- bei Bedarf einige Löffel Rindsuppe
Für die Rahmfisolen
- 500 g grüne Fisolen
- 1 kleine Zwiebel
- 20 g Butter
- 1 gehäufter EL Mehl
- etwa 250 ml Kochwasser oder Rindsuppe
- 150 g Sauerrahm
- 1 EL gehackter Dill
- Salz und Pfeffer
- ein kleiner Spritzer Essig
Zubereitung
1. Die Suppe ansetzen
Die Zwiebel halbieren und mit den Schnittflächen in einer trockenen Pfanne dunkel anrösten. Dadurch bekommt die Suppe eine schöne Farbe und ein kräftiges Aroma.
Das Wasser mit den Knochen langsam aufkochen. Den dabei entstehenden Schaum mit einem Schöpflöffel entfernen.
2. Den Tafelspitz kochen
Den Tafelspitz in die leicht kochende Flüssigkeit geben.
Pfefferkörner, Lorbeerblätter, die angeröstete Zwiebel und etwas Liebstöckel hinzufügen.
Das Fleisch sollte nicht wild sprudeln, sondern nur sanft ziehen. Je nach Größe dauert das ungefähr 2 bis 2½ Stunden.
3. Das Gemüse beigeben
Karotten, gelbe Rüben, Sellerie, Petersilienwurzel und Lauch putzen und in größere Stücke schneiden.
Das Gemüse etwa 45 Minuten vor Ende der Garzeit zum Fleisch geben.
Erst gegen Ende ausreichend salzen.
4. Petersilerdäpfel zubereiten
Die Erdäpfel kochen, schälen und in Stücke schneiden.
Butter in einer Pfanne aufschäumen, die Erdäpfel darin schwenken und mit Salz und reichlich frischer Petersilie abschmecken.
Keine Röstaromen, keine Kunststücke – einfach gute Erdäpfel mit Butter und Petersilie.
5. Apfelkren zubereiten
Die Äpfel schälen und fein reiben.
Sofort mit Zitronensaft vermischen. Den frisch geriebenen Kren unterheben und mit einer Prise Zucker und etwas Salz abschmecken.
Ist der Apfelkren zu fest oder zu scharf, helfen ein paar Löffel warme Rindsuppe.
6. Rahmfisolen kochen
Die Fisolen putzen, in Salzwasser bissfest kochen und abseihen. Etwas Kochwasser aufheben.
Die fein geschnittene Zwiebel in Butter glasig anschwitzen. Mehl einrühren und kurz durchrösten.
Mit Kochwasser oder Rindsuppe aufgießen und gut verrühren. Einige Minuten köcheln lassen.
Den Sauerrahm glattrühren und unter die Sauce mengen. Fisolen und Dill dazugeben und mit Salz, Pfeffer sowie einem sehr kleinen Spritzer Essig abschmecken.
Johannes Krisch mochte die Rahmfisolen ausdrücklich nicht zu sauer. Also beim Essig vorsichtig sein – hineinschütten kann man immer noch, herausfischen wird schwierig.
Anrichten
Den Tafelspitz gegen die Faser in nicht zu dünne Scheiben schneiden.
Mit etwas heißer Suppe und dem mitgekochten Wurzelgemüse anrichten. Petersilerdäpfel, Rahmfisolen und Apfelkren getrennt dazu servieren.
Vorweg gehört natürlich eine Schale der kräftigen Rindsuppe auf den Tisch.
So mochte es Johannes Krisch: natürlich, bodenständig und ohne unnötigen Firlefanz.
Ein stiller Abschied aus der Küche
Johannes Krisch sagte einmal sinngemäß, dass es auf jeden Fall weitergeht – egal, ob wir als Regenwurm oder Salatblatt enden.
Ein ungewöhnlicher Gedanke. Aber er passt zu ihm.
Vielleicht bleibt von einem Menschen genau das: seine Arbeit, seine Stimme, sein Gesicht, seine Geschichten – und manchmal sogar sein Lieblingsgericht.
Johannes Krisch wird auf der Bühne und auf der Leinwand fehlen.
Heute erinnern wir uns an ihn mit einem Teller Tafelspitz.
Ruhe in Frieden, Johannes Krisch.
Quelle und Hinweis
Die Angaben über Johannes Krischs kulinarische Vorlieben und seinen Tafelspitz stammen aus dem Porträt „Doppler Effekt“ von Ro Raftl im Magazin A la Carte. Das Rezept wurde von mir als ehemaligem Koch nach seinen dort beschriebenen Vorlieben zusammengestellt.
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Noch mehr persönliche Geschichten und Rezepte gibt es auf meinem Blog:
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