Wenn Sibylle und ich kulinarisch getrennte Wege gehen
Heute gehen Sibylle und ich kulinarisch getrennte Wege. Keine Sorge, nicht dramatisch. Nur essensmäßig.

Meine Frau ist im Krankenhaus bei unserer Enkelin. Dort gibt es heute Spinat, Rösterdäpfel und Spiegelei. Mahlzeit. Das ist so ein klassisches Essen, bei dem man entweder sagt: „Herrlich, wie früher!“ oder: „Bitte gib mir ein Schnitzel und stell keine Fragen.“
Ich bleibe heute auf der Strecke. Eigentlich wollte ich mir ein Steak grillen, dazu eine schöne Schüssel Gartensalat und ein Stück Baguette. Aber dann habe ich mir gedacht: Für mich alleine? Nein. Da springt der innere Kochpensionist auf und sagt: „Peter, mach kein Theater.“
Also bin ich zum Fleischmarkt gefahren, habe mir eine Scheibe gebratenen, ofenfrischen Schweinebraten geholt, dazu ein resches Weckerl, eine Bosniake – und daraus mache ich mir eine Bifana wie damals in Portugal.
Die Heimat der Bifana ist Portugal. Dort bekommt man sie in kleinen Lokalen, Bahnhöfen, Bars und Imbissen. Einfach, ehrlich, würzig und genau richtig, wenn man keinen großen Kochzirkus veranstalten will.
Mein erstes richtig gutes Bifana-Erlebnis hatte ich damals am Bahnhof von Lissabon. Ich habe gefragt, gekostet, geschaut und mir gedacht: Das ist eigentlich die portugiesische Antwort auf unsere Jausenkultur. Nur mit mehr Knoblauch, Paprika und Urlaubsgefühl.
Heute passt das perfekt. Über 30 Grad im Schatten, der Hunger ist da, aber die Lust auf stundenlanges Kochen hält sich in Grenzen. Am Abend, wenn es kühler wird, sitzen wir mit der Familie gemütlich im Garten bei einem kleinen Umtrunk. Gekocht wird dort auch nicht. Es wird Familienpizza bestellt. Foodora oder Wolt wird sie hoffentlich noch vor Mitternacht bringen. Man soll ja den Glauben an die moderne Technik nicht ganz verlieren.
Ein üppiges Essen gibt es heute also nicht. Aber für euch gibt es mein Rezept für eine echte, einfache und herrlich saftige Bifana wie in Portugal.
Was ist eine Bifana?
Eine Bifana ist ein portugiesisches Schweinefleisch-Weckerl. Dünn geschnittenes Schweinefleisch wird in einer würzigen Marinade aus Knoblauch, Weißwein, Paprika, Lorbeer und etwas Schärfe gebraten oder geschmort und dann in ein resches Brötchen gelegt.
Mehr braucht es nicht. Kein Salatblatt, keine Paradeiser, kein Käse, keine Avocado mit Doktortitel. Eine gute Bifana lebt vom Fleisch, vom Saft und vom knusprigen Brot.
In Portugal kommt oft noch Senf oder scharfe Sauce dazu. Und dann isst man sie am besten im Stehen, mit einem kalten Getränk daneben und einem Gesichtsausdruck, der sagt: „Mehr brauche ich heute nicht.“
Rezept: Bifana wie in Portugal
Zutaten für 2 Bifanas
- 2 resche Weckerl oder kleine Baguettebrötchen
- 2 bis 4 dünne Scheiben Schweinefleisch
- ideal: Schweinsschopf, Karree oder dünn geschnittener Schweinsbraten
- 2 Knoblauchzehen
- 100 ml Weißwein
- 1 EL Essig oder Zitronensaft
- 1 TL Paprikapulver edelsüß
- ½ TL Paprikapulver scharf oder etwas Chili
- 1 Lorbeerblatt
- 1 TL Senf
- 1 EL Olivenöl oder Schweineschmalz
- Salz
- Pfeffer
- optional: ein kleiner Schuss Bier oder Suppe
- optional: scharfer Senf oder Piri-Piri-Sauce zum Servieren
Zubereitung
1. Marinade vorbereiten
Knoblauch fein hacken oder zerdrücken. Mit Weißwein, Essig oder Zitronensaft, Paprikapulver, Senf, Lorbeerblatt, Salz und Pfeffer verrühren.
Das Fleisch in die Marinade legen. Wenn Zeit ist, 30 Minuten ziehen lassen. Wenn der Hunger größer ist als die Geduld, geht es auch sofort. Wir sind hier nicht bei einer portugiesischen Doktorarbeit.
2. Fleisch braten
In einer Pfanne Olivenöl oder etwas Schweineschmalz erhitzen.
Das marinierte Fleisch einlegen und auf beiden Seiten kräftig anbraten. Dann die restliche Marinade dazugeben und das Fleisch einige Minuten darin ziehen lassen, bis es schön saftig und würzig ist.
Falls die Sauce zu stark einkocht, einen kleinen Schuss Bier, Suppe oder Wasser dazugeben. Es soll am Ende ein kräftiger, würziger Saft entstehen. Genau dieser Saft macht die Bifana aus.
3. Weckerl vorbereiten
Die Weckerl aufschneiden und kurz aufbacken oder in der Pfanne anrösten. Sie sollen außen resch sein, innen aber noch genug aufnehmen können.
Das ist wichtig. Ein Bifana-Weckerl muss Saft vertragen, ohne sofort beleidigt zusammenzufallen.
4. Bifana füllen
Das heiße Fleisch direkt aus der Pfanne ins Weckerl legen.
Etwas von dem würzigen Saft darübergeben. Wer mag, gibt noch Senf oder Piri-Piri-Sauce dazu.
Deckel drauf, leicht zusammendrücken und sofort essen.
Serviette nicht vergessen. Eine gute Bifana tropft. Wenn sie nicht tropft, war sie zu trocken.
Peters Küchentipp
Wenn du, so wie ich heute, eine Scheibe fertigen ofenfrischen Schweinsbraten verwendest, geht es noch schneller.
Dann einfach den Schweinsbraten dünn schneiden, kurz in der Pfanne mit Knoblauch, Paprika, Senf, Weißwein und etwas Bratensaft oder Suppe erwärmen. Nicht totbraten. Nur heiß und saftig machen.
Dann ab ins resche Weckerl. Fertig ist die schnelle österreichisch-portugiesische Bifana.
So wird aus einem einfachen Schweinsbraten-Weckerl plötzlich Urlaubserinnerung mit Knoblauchduft.
Was passt dazu?
Eigentlich braucht eine Bifana nicht viel.
Sehr gut passen:
- ein kaltes Bier
- ein Glas Weißwein
- ein kleiner Gartensalat
- ein paar Essiggurkerl
- scharfer Senf
- oder einfach nur ein zweites Weckerl
An heißen Tagen über 30 Grad ist das für mich genau richtig. Kein schweres Menü, kein großes Anrichten, kein Küchenmarathon. Nur gutes Brot, saftiges Fleisch und ein bisschen Portugal zwischen den Fingern.
Fazit
Heute gibt es kein großes Sonntagsmenü, kein Steak vom Grill und keine Küchenakrobatik.
Sibylle isst im Krankenhaus Spinat, Rösterdäpfel und Spiegelei. Ich mache mir eine Bifana aus ofenfrischem Schweinsbraten und einem reschen Weckerl. Und am Abend sitzen wir mit der Familie im Garten, trinken etwas Kühles und warten auf die Familienpizza.
So ist das Leben. Manchmal Haubenküche, manchmal Krankenhausküche, manchmal Foodora. Und manchmal reicht ein gutes Weckerl, um gedanklich wieder am Bahnhof von Lissabon zu stehen.
👉 Werbung in eigener Sache
Hat dir dieses Rezept geschmeckt? Dann bleib mir in der Küche treu 👨🍳💚
📖 Hier meinen Blog abonnieren
📚 Kärntner Kochbuch 2.0 entdecken
Noch mehr edle Schmankerln, Tipps aus der Profiküche & regionale Klassiker – laufend frisch serviert.
Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.
Frage an meine Leser
Hast du schon einmal eine Bifana in Portugal gegessen – oder machst du dir lieber ein klassisches Schweinsbraten-Weckerl daheim?
👨🍳 Bleib mir in der Küche treu 💚
Ehrliche Kärntner Rezepte & Küchentipps aus einem langen Kochleben.
Trag dich ein und erhalte neue Rezepte direkt per E-Mail.
👉 Klick auf die Grafik und trag dich ein – neue Rezepte kommen direkt per E-Mail.
Entdecke mehr von Kochkaernten Blog neu
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
