wienerschnitzel

Lebenszeit statt Arbeitszeit – und Wiener Schnitzel für meine Enkel in Valalta

Als ehemaliger Koch weiß ich nur zu gut, was Stress bedeutet. Viele Jahre bestand mein Leben aus Arbeit, Terminen, Verantwortung und dem Gefühl, dass eigentlich immer noch etwas zu erledigen wäre. Gerade vor Weihnachten war in der Küche besonders viel los. Arbeiten ohne Ende, kaum Zeit zum Durchschnaufen.

Und dann hat mich das Schicksal eingebremst.

Ich bekam einen Schlaganfall.

Zum Glück habe ich ihn überlebt. Aber wenn dir so etwas passiert, verändert sich etwas. Dinge, die gestern noch ungeheuer wichtig erschienen, werden plötzlich nebensächlich. Man beginnt darüber nachzudenken, was einem vom Leben eigentlich bleibt.

Heute sage ich deshalb einen Satz, der für mich sehr viel bedeutet:

Ich habe keine Arbeitszeit mehr. Ich habe Lebenszeit.

Wie viel davon noch vor mir liegt, weiß niemand. Aber genau deshalb möchte ich sie nutzen.

Natürlich braucht man Geld zum Leben. Und ich kenne Menschen, die sich große Sorgen um ihre Zukunft und ihre Pension machen. Ich sehe das mittlerweile gelassener. Wir leben in Österreich und ich glaube, dass man nicht sein ganzes Leben nur damit verbringen sollte, Angst vor morgen zu haben.

Man kann immer noch ein bisschen mehr verdienen, ein bisschen mehr sparen und noch ein paar Jahre länger arbeiten. Nur eines kann man nicht ansparen:

Lebenszeit.

Ich bin kein reicher Mann. Aber ich habe etwas, das für mich viel mehr wert ist: meine Frau, meine Kinder und meine Enkel. Eine Familie, mit der ich lachen, essen, reisen und Zeit verbringen kann.

Das ist mein größter Reichtum.

Andere Menschen setzen andere Prioritäten, und das ist auch in Ordnung. Für mich persönlich steht heute aber fest: Ich möchte nicht bis zum letzten Atemzug nur arbeiten und irgendwann feststellen, dass für das eigentliche Leben keine Zeit geblieben ist.

Und damit wären wir wieder bei einem meiner liebsten Themen: beim Essen.

Lebenszeit-Urlaub in Valalta

Wir sind derzeit wieder länger in Valalta. Für mich ist das kein gewöhnlicher Urlaub mehr. Ich nenne es mittlerweile unseren Lebenszeit-Urlaub.

Meine Frau ist dabei, die Enkel sind dabei – und natürlich wird auch gekocht.

Und wenn die Enkel beim Opa sind, dürfen sie sich selbstverständlich etwas wünschen.

Diesmal kam die Bestellung ohne langes Überlegen:

Wiener Schnitzel!

Aber nicht irgendwelche. Ich mache sie aus Schweinefilet. Schön dünn geschnitten, paniert und goldgelb herausgebacken.

Dazu gibt es einen klassischen Erdäpfelsalat und einen frischen Gurkensalat.

Und bevor jetzt die Küchenpolizei ausrückt:

Ja, für die Enkel kommt Ketchup auf den Tisch.

Als Koch kann man über manches diskutieren. Als Opa weiß man aber, wann man besser schweigt und einfach die Ketchupflasche hinstellt. 😉

Wienerschnitzel

Wiener Schnitzel vom Schweinefilet mit Erdäpfel- und Gurkensalat

Zutaten für 4 Personen

Für die Schnitzel

  • ca. 700–800 g Schweinefilet
  • Salz
  • Mehl
  • 2–3 Eier
  • Semmelbrösel
  • Butterschmalz oder Öl zum Ausbacken
  • Zitronenspalten
  • und für die Enkel: Ketchup

Für den Erdäpfelsalat

  • 800 g festkochende Erdäpfel
  • 1 kleine Zwiebel
  • ca. 150 ml kräftige Suppe
  • 3 EL Essig
  • 3 EL Öl
  • 1 TL Senf
  • Salz
  • Pfeffer
  • eine kleine Prise Zucker

Für den Gurkensalat

  • 1 große Salatgurke
  • Salz
  • 2–3 EL Essig
  • 2 EL Öl
  • etwas Pfeffer
  • eine kleine Prise Zucker
  • nach Geschmack etwas Knoblauch

Zubereitung

Erdäpfelsalat

Die Erdäpfel in der Schale weich kochen, noch warm schälen und in dünne Scheiben schneiden.

Die Zwiebel fein schneiden. Suppe mit Essig, Senf, Salz, Pfeffer und einer kleinen Prise Zucker vermischen und über die noch warmen Erdäpfel gießen.

Vorsichtig durchmischen und etwas ziehen lassen. Erst anschließend das Öl unterheben.

Der Erdäpfelsalat soll schön saftig sein und nicht trocken auf dem Teller liegen.

Gurkensalat

Die Gurke dünn hobeln, leicht salzen und einige Minuten stehen lassen.

Anschließend mit Essig, Öl, Pfeffer und einer kleinen Prise Zucker marinieren. Wer möchte, gibt noch ein wenig fein gehackten oder gepressten Knoblauch dazu.

Schnitzel vom Schweinefilet

Das Schweinefilet sauber zuputzen und in passende Stücke schneiden.

Die Fleischstücke vorsichtig dünn klopfen und leicht salzen.

Dann kommt die klassische Panierstraße:

Mehl – Ei – Semmelbrösel.

Die Schnitzel zuerst in Mehl wenden, danach durch die verquirlten Eier ziehen und zuletzt locker in den Semmelbröseln wenden.

Die Brösel dabei nicht festdrücken. Nur so kann sich beim Herausbacken die typische lockere, wellige Panier bilden.

In einer großen Pfanne ausreichend Butterschmalz oder Öl erhitzen und die Schnitzel schwimmend goldgelb herausbacken. Die Pfanne dabei immer wieder leicht bewegen, damit heißes Fett über die Oberfläche der Schnitzel schwappt.

Auf Küchenpapier kurz abtropfen lassen und sofort servieren.

Auf den Tisch damit

Auf jeden Teller kommt ein frisch gebackenes Schnitzel, dazu Erdäpfelsalat, Gurkensalat und eine Zitronenspalte.

Und mitten auf den Tisch kommt die Ketchupflasche.

Denn irgendwann lernt man im Leben:

Nicht jede Schlacht muss gewonnen werden.

Schon gar nicht die Diskussion „Darf auf ein Schnitzel Ketchup?“, wenn die Enkel hungrig daneben sitzen.

Heute genieße ich genau solche Momente.

Meine Frau.
Meine Enkel.
Valalta.
Ein gutes Essen.

Keine Arbeitszeit.

Lebenszeit.

Und davon möchte ich noch möglichst viel genießen.

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