Serie „Prominententopf“ – Prominente erzählen mir ihre Leibspeise

Manche Menschen sind prominent, weil sie dauernd im Rampenlicht stehen. Und dann gibt es Menschen, die durch ihr Können, ihr Handwerk und ihre Leidenschaft bekannt werden.
Für mich als alten Koch gehört Gudrun Steinkellner aus dem Lavanttal ganz eindeutig zur zweiten Kategorie.
Ich liebe Kärntner Kochbücher. Aber ich bin da ziemlich kritisch. Ein schönes Foto allein macht noch kein gutes Rezept. Wenn ich etwas nachkoche, muss es funktionieren – ohne dass ich nach der dritten Zeile überlege, was der Autor wohl gemeint haben könnte.
Bei Gudrun Steinkellner funktionieren die Rezepte.
Bodenständig, ehrlich und so geschrieben, wie in Kärnten tatsächlich gekocht wurde und teilweise Gott sei Dank noch immer gekocht wird. Zwei ihrer Kochbücher stehen bei mir zuhause. Nicht als Dekoration im Bücherregal, sondern weil ich sie wirklich schätze.
Meine Begegnung mit Gudrun Steinkellner
Vor einiger Zeit war ich bei einer Weihnachtsveranstaltung im Freilichtmuseum. In einem der alten Bauernhäuser traf ich Gudrun Steinkellner.
Und ihr kennt mich inzwischen: Wenn mir jemand begegnet, den ich für meinen Prominententopf interessant finde, dauert es meistens nicht lange, bis meine Lieblingsfrage kommt:
„Was ist deine Leibspeise?“
Gudrun musste nicht lange überlegen. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen:
👉 „Faule-Weiber-Nudeln!“
Da musste ich natürlich schmunzeln. Erstens wegen des Namens und zweitens, weil hinter solchen einfachen alten Gerichten oft viel mehr Geschichte steckt als hinter so mancher modernen Kreation mit 17 Zutaten und drei Tupferln Sauce auf einem riesigen Teller.
Faule Weiber? Wohl eher kluge Weiber!
Der Name klingt heute natürlich ein bisserl gewöhnungsbedürftig.
Im Lavanttaler Sprachgebrauch war „Weiber“ allerdings nicht unbedingt so abwertend gemeint, wie wir es heute verstehen könnten. Und „faul“?
Ich würde sagen: Die Frauen waren nicht faul, sondern gescheit.
Statt jede einzelne Nudel aufwendig zu füllen und zu krendeln, wird der Nudelteig ausgerollt, mit der Topfenfülle bestrichen, zusammengerollt und im Tuch gekocht.
Zeit gespart, Familie satt, Küche wieder zusammengeräumt – wer da faul sein soll, muss mir erst einer erklären.
Man könnte sie daher heute genauso gut Kluge-Weiber-Nudeln nennen.

Das folgende Rezept stammt aus Gudrun Steinkellners Kochbuch Lovntolerin – Kochen wie früher.
Rezept: Faule-Weiber-Nudeln nach Gudrun Steinkellner
Zutaten für den Nudelteig
- 500 g Weizenmehl
- etwas Salz
- 1 Ei
- ca. 200 ml Wasser, nach Bedarf
Für die Fülle
- 500 g grober Bröseltopfen
- 1 Semmel
- etwas Milch zum Einweichen
- Nudelminze
- Keferfill (Kerbel), wenn vorhanden
- Salz
- Pfeffer
Außerdem:
- zerlassene Butter zum Übergießen
Zubereitung
1. Nudelteig machen
Das Mehl auf ein Nudelbrett geben und in der Mitte eine Grube formen. Ei, Salz und zunächst etwa 1/8 Liter Wasser hineingeben.
Von außen nach innen arbeiten und alles zu einem eher weichen Nudelteig verkneten. Nach und nach so viel Wasser dazugeben, bis die richtige Konsistenz erreicht ist.
Mit der Küchenmaschine geht es natürlich ebenfalls. Wir wollen ja schließlich Faule-Weiber-Nudeln machen und keine Küchenprüfung ablegen.
Der Teig ist richtig, wenn er glatt und geschmeidig ist, sich von der Schüssel löst und schön seidig glänzt.
Mit einem Geschirrtuch abdecken und etwa 30 Minuten rasten lassen.
2. Topfenfülle vorbereiten
Die Semmel in etwas Milch einweichen und anschließend passieren beziehungsweise gut ausdrücken und fein zerdrücken.
Mit Bröseltopfen, Nudelminze, Keferfill, Salz und Pfeffer gründlich vermischen.
Gerade die Nudelminze gibt der Kärntner Topfenfülle diesen unverwechselbaren Geschmack.
3. Rollen statt krendeln
Den Nudelteig gleichmäßig ausrollen und die Topfenmasse darauf verteilen.
Die Seitenränder etwas einschlagen und den belegten Nudelteig vorsichtig zu einer Rolle formen.
Und genau hier zeigt sich, warum dieses Rezept so praktisch ist: Kein Ausstechen, kein einzelnes Füllen und kein stundenlanges Krendeln.
4. Ab ins Tuch
Die fertige Rolle in ein sauberes Baumwolltuch einschlagen – früher hätte man bei uns ganz einfach „Fetzen“ dazu gesagt.
Gut verschließen und in ausreichend kochendes Salzwasser legen.
Zugedeckt etwa 40 Minuten leicht wallend sieden lassen.
5. Anrichten
Die Rolle vorsichtig aus dem Wasser nehmen und kurz überkühlen lassen. Dann aus dem Tuch wickeln – Vorsicht, das Ding ist heiß!
In ungefähr 3 cm dicke Scheiben schneiden und großzügig mit zerlassener Butter übergießen.
Dazu brauche ich persönlich nicht viel mehr als einen knackigen grünen Salat.
Peters Küchentipp: Am nächsten Tag wird’s fast noch besser
Sollten tatsächlich ein paar Scheiben übrig bleiben, dann werden sie nicht entsorgt.
Am nächsten Tag etwas Butter in die Pfanne geben und die Nudelscheiben darin schön pranschgalat, also goldbraun und knusprig, anbraten.
Ganz ehrlich: Da könnte man fast absichtlich zu viel kochen.
Mein Fazit als alter Koch
Die Faule-Weiber-Nudeln sind für mich genau das, was ich an der alten Kärntner Küche liebe:
wenige Zutaten, vernünftiges Handwerk, kein Schnickschnack und trotzdem richtig guter Geschmack.
Solche Rezepte dürfen nicht verschwinden. Sie erzählen von einer Zeit, in der man aus dem, was Haus, Garten und Landwirtschaft hergaben, etwas Gutes auf den Tisch stellte.
Und vielleicht sollten wir beim Namen einfach ein Auge zudrücken. Denn wer dieses Gericht erfunden hat, war meiner Meinung nach überhaupt nicht faul.
Diese Frau war verdammt praktisch veranlagt. 😄
Danke, liebe Gudrun Steinkellner, für dein Handwerk, deine Kochbücher und dafür, dass du mir deine Leibspeise verraten hast.
Für mich bist du eine echte Prominente der Kärntner Küche. 👏
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