cooked food on a pot

Kantinengerichte: Schweinsschopf-Paprikasch nach Balkan-Art

Djuvec-Schweinsragout – eine Erinnerung aus Belgrad

Kantinenklassiker

Manche Gerichte bringen einen sofort wieder zurück an einen bestimmten Ort.
Ein Duft, ein Geschmack, ein Teller voll Sauce – und schon sitzt man wieder irgendwo am Balkan, der Tisch ist zu klein, der Hunger groß und der Kellner redet schneller, als man schauen kann.

So ging es mir mit diesem Schweinsschopf-Paprikasch nach Balkan-Art.

Ich war längere Zeit unterwegs, quer durch den Balkan. Am Ende waren es so um die 3.500 gefahrene Kilometer. Da erlebt man einiges. Lustiges, Schönes, Überraschendes – und natürlich auch das eine oder andere, worauf man gerne verzichtet hätte.

Besonders an der serbischen Grenze hatte ich kurz das Gefühl, ich wäre in einem alten Film gelandet. Ein bisschen streng, ein bisschen hochnäsig, ein bisschen so, wie man sich früher einen Zöllner vorstellt, wenn er schon in der Früh mit der Pfeife im Mund grantig aufsteht. Zum Glück war das nur ein Einzelfall.

Denn eines muss ich ganz klar sagen:
Am Balkan haben wir hervorragend gegessen.

Die meisten Menschen, die uns bewirtet haben, waren freundlich, herzlich und hilfsbereit. Die Kellner, die Köche, die Wirtsleute – viele davon mit einer Gastfreundschaft, die man nicht spielen kann. Die kommt von innen.

Eine Konoba in Belgrad

Restoran Tošin Bunar (Džakarta).
Ресторан „Тошин бунар“ Пивница Џакарта

In Belgrad sind wir in einem einheimischen Lokal gelandet. Keine Touristenfalle, kein Hochglanzmenü mit drei Sprachen und Fotos vom Essen, sondern eine richtige Konoba, wie man sie am Balkan findet.

Drinnen wurde gekocht, geredet, gelacht und gegessen.
Also eh genau so, wie es sein soll.

Mit Deutsch und Englisch war dort nicht viel zu holen. Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt. Ein bisschen zeigen, ein bisschen nicken, ein bisschen lächeln – und wenn gar nichts mehr geht, hilft immer noch Hunger. Der spricht international.

Der Kellner empfahl uns ein Gericht. Wir verstanden nicht alles, aber wir merkten sofort: Der Mann weiß, was gut ist.

Dann kam der Koch zu uns.
Er hieß Nikla, war ein kräftiger Mann, sicher um die 160 Kilo, aber mit einem Gemüt wie ein Teddybär. Ein freundlicher Mensch, wie man ihn nicht vergisst. Einer, der nicht viel reden muss, weil sein Essen eh alles sagt.

Als er merkte, dass ich selbst Koch bin, wurde er richtig stolz. Er schrieb mir sogar das Rezept auf. Zuhause habe ich es dann übersetzt und ein wenig an meine Küche angepasst.

Heute gibt es deshalb in meiner Montagsserie „Kantinengerichte“:

Schweinsschopf-Paprikasch nach Balkan-Art

In Belgrad sagte man dazu sinngemäß Djuvec-Schweinsragout.
Bei uns könnte man sagen: ein saftiger Paprikasch mit Schweinsschopf, Tomaten, Paprika und Zwiebeln.

Das ist kein feines Tellerchen mit drei Tropfen Sauce und einem Kräutlein, das sich verirrt hat.
Das ist Essen für Menschen mit Hunger.

Ehrlich. Würzig. Sämig.
Ein Gericht, das nicht fragt: „Hast du schon gegessen?“
Sondern sagt: „Setz dich, du schaust hungrig aus.“

Dazu passt am besten gedünsteter Reis und eine Schüssel knackiger Eissalat mit Essig-Öl-Dressing.


Rezept: Schweinsschopf-Paprikasch nach Balkan-Art

Zutaten für 4 Personen

  • 800 g gewürfeltes Schweinsschopffleisch
  • 2 große Zwiebeln
  • 2 rote Paprika
  • 1 gelber Paprika
  • 3–4 reife Tomaten
    oder zusätzlich etwas passierte Tomaten
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 EL Schweineschmalz oder Öl
  • 1–2 EL Paprikapulver edelsüß
  • etwas scharfes Paprikapulver oder Chili nach Geschmack
  • Salz
  • Pfeffer
  • etwas Majoran
  • optional: eine Prise Kümmel
  • ca. 300–500 ml Wasser oder Suppe
  • eventuell ein kleiner Schuss Essig zum Abrunden

Für die Beilage

  • gedünsteter Reis

Dazu

  • Eissalat
  • Essig
  • Öl
  • Salz
  • etwas Zucker oder Honig nach Geschmack
  • eventuell ein wenig Knoblauch

Zubereitung

1. Fleisch kräftig anrösten

Das Schweinsschopffleisch in nicht zu kleine Würfel schneiden, falls es noch nicht vorbereitet ist.

In einem großen Topf oder Bräter etwas Schmalz oder Öl erhitzen.
Das Fleisch portionsweise kräftig anbraten.

Nicht gleich umrühren wie ein nervöser Grenzbeamter.
Liegen lassen, Farbe nehmen lassen, dann wenden.

Denn Farbe ist Geschmack.

2. Zwiebeln dazugeben

Die Zwiebeln schälen und grob würfeln.
Zum Fleisch geben und gut mitrösten, bis sie schön goldgelb sind.

Jetzt entsteht die Grundlage für die Sauce.
Da darf man sich Zeit lassen. Ein guter Paprikasch braucht keine Hektik.

3. Paprika und Knoblauch mitrösten

Die roten und gelben Paprika entkernen und in Streifen oder Würfel schneiden.
Zum Fleisch geben und einige Minuten mitrösten.

Den Knoblauch fein hacken und kurz mitrösten.

Jetzt beginnt es schon so zu duften, dass wahrscheinlich jemand in die Küche schaut und fragt:
„Wann gibt’s Essen?“

Die richtige Antwort lautet:
„Wenn es fertig ist. Vorher wird nur gerochen.“

4. Paprikapulver einrühren

Den Topf kurz von der Hitze nehmen.
Paprikapulver edelsüß und, wenn gewünscht, etwas scharfes Paprikapulver einrühren.

Wichtig: Paprikapulver darf nicht verbrennen, sonst wird es bitter.
Also nur kurz einrühren und gleich mit Wasser oder Suppe aufgießen.

5. Tomaten dazugeben

Die Tomaten grob würfeln und in den Topf geben.
Wer es besonders sämig mag, gibt noch einen kleinen Schuss passierte Tomaten dazu.

Mit Salz, Pfeffer, Majoran und eventuell einer Prise Kümmel würzen.

Dann zugedeckt langsam schmoren lassen.

6. Langsam schmoren

Das Ragout etwa 1 bis 1½ Stunden sanft köcheln lassen, bis das Fleisch weich ist.

Schweinsschopf ist dafür ideal.
Er bleibt saftig, gibt Geschmack ab und macht die Sauce rund.

Wenn die Sauce zu dünn ist, den Deckel am Ende abnehmen und noch etwas einkochen lassen.
Wenn sie zu dick ist, mit etwas Wasser oder Suppe nachhelfen.

7. Abschmecken

Zum Schluss nochmals kosten.

Fehlt Salz?
Braucht es ein wenig Schärfe?
Vielleicht ein kleiner Schuss Essig, damit die Sauce lebendiger wird?

Ein gutes Ragout soll rund schmecken, aber nicht langweilig.
Wie ein guter Wirt: freundlich, aber mit Charakter.


Gedünsteter Reis als Beilage

Für den Reis etwas Öl oder Butter in einem Topf erhitzen.
Reis kurz anschwitzen, mit Wasser oder Suppe aufgießen, salzen und zugedeckt langsam dünsten.

Ich rechne gerne ungefähr:

  • 1 Teil Reis
  • 2 Teile Wasser oder Suppe

Wenn der Reis fertig ist, kurz ausdampfen lassen und mit einer Gabel lockern.


Eissalat mit Essig-Öl-Dressing

Eissalat waschen, gut abtropfen lassen und in mundgerechte Stücke schneiden.

Für das Dressing:

  • Essig
  • Öl
  • Salz
  • etwas Zucker oder Honig
  • eventuell ein Hauch Knoblauch

Alles verrühren und erst kurz vor dem Servieren über den Salat geben.

Der knackige Salat passt perfekt zum würzigen Ragout.
So hat man am Teller Hitze, Sauce, Fleisch, Reis und Frische.

Mehr braucht es nicht.


Mein Fazit

Dieses Gericht ist für mich mehr als nur ein Schweinsragout.

Es erinnert mich an eine Reise quer durch den Balkan, an viele Kilometer, an Grenzen, an Begegnungen, an Wirtsstuben, an ehrliches Essen und an Nikla aus Belgrad – den Koch mit dem großen Herz und dem noch größeren Kochtopf.

So ein Rezept findet man nicht in jedem Kochbuch.
Man bekommt es, wenn man neugierig bleibt, sich auf Menschen einlässt und auch dann lächelt, wenn man gerade kein Wort versteht.

Gekocht wird überall anders.
Aber gutes Essen versteht jeder.

Für dieses Rezept hilfreich

Wenn du dieses Gericht nachkochen möchtest, können ein paar gute Küchenhelfer sehr praktisch sein:

👉 Schwerer Schmortopf oder Bräter
Ideal zum kräftigen Anbraten und langsamen Schmoren. Gerade bei Schweinsschopf wird die Sauce darin besonders schön rund.

👉 Gutes Kochmesser
Für Zwiebeln, Paprika, Tomaten und Fleischwürfel. Ein scharfes Messer spart Zeit und Nerven.

👉 Großes Schneidbrett
Damit beim Schneiden nicht die halbe Küche ausschaut wie nach einem Balkan-Grenzübergang.

👉 Paprikapulver edelsüß
Das Herzstück bei diesem Gericht. Ohne gutes Paprikapulver wird aus Paprikasch nur ein braver Eintopf.

👉 Reiskocher oder kleiner Topf für Reis
Gedünsteter Reis passt perfekt dazu und nimmt die würzige Sauce wunderbar auf.

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Bis bald,
euer kulinarischer Influencer und Foodblogger
Peterschmankerl

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