
Traditionelle Schmerkipfel aus dem Banat – mürbe Kipferl mit Schweineschmalz und Powidlfüllung. Ein fast vergessenes Rezept.
Ein Stück Kindheit, das fast verloren ging
Manchmal sind es nicht die großen Gerichte, die bleiben – sondern die kleinen, süßen Erinnerungen.
Mein Schwiegervater Toni kam aus dem Banat. Ein Donauschwabe. Als Kind musste er mit seinen Eltern flüchten – zurück blieb eine Heimat, aber nicht die Küche.
Zum Glück hat seine Mutter, unsere „Wetti“, ihre Rezepte mitgenommen.
Bei ihr wurde gekocht, wie ich es liebe: ehrlich, bodenständig und mit Seele.
Ihre Sarmale – ein Traum. Die habe ich von Toni gelernt. Danke dafür.
Aber dann gab’s noch etwas…
Schmerkipfel.
Diese kleinen, mürben Dreiecke mit Powidlfüllung – unvergesslich.
Und wie so oft: nicht aufgeschrieben.
Das Rezept? Mit ins Grab genommen.

Und dann passiert das…
Im Banat, genauer gesagt in Banatski Karlovac, stehe ich plötzlich in einer alten Bäckerei am Markt.
Der Duft…
Ich sehe sie in der Vitrine…
Schmerkipfel.
Ich hab nicht lange überlegt – gekauft, gekostet… und sofort war ich wieder bei Wetti in der Küche.
Und jetzt pass auf:
Ich hab mich hingesetzt, probiert, getüftelt – und dieses Rezept für uns alle wieder zum Leben erweckt.
Rezept: Schmerkipfel wie aus dem Banat
Zutaten (ca. 25 Stück)
Teig:
- 500 g Mehl
- 250 g Schweineschmalz (Zimmertemperatur)
- 120 g Staubzucker
- 2 Dotter
- 1 Ei
- 1 Prise Salz
- 1 Pkg. Vanillezucker
- 2–3 EL Sauerrahm
Fülle:
- 300 g Powidl (Zwetschkenröster dick eingekocht)
- 1 TL Zimt
- 1 Schuss Rum (optional, aber typisch)
Zum Wälzen:
- Staubzucker
Zubereitung
1. Teig
Alles zu einem glatten, geschmeidigen Teig verkneten.
Wichtig: Nicht zu lange kneten – sonst wird er zäh.
In Folie wickeln und mindestens 1 Stunde kalt stellen.
2. Formen
Teig dünn ausrollen (ca. 3 mm).
In Quadrate (ca. 8×8 cm) schneiden.
In die Mitte je einen kleinen Klecks Powidl geben.
Dann zu Dreiecken einschlagen – so entstehen die typischen Schmerkipfel.
3. Backen
Bei 180 °C Ober-/Unterhitze ca. 15–18 Minuten backen,
bis sie leicht goldgelb sind.
4. Finish
Noch warm in Staubzucker wälzen.
Mein Küchentipp 👨🍳
Das Geheimnis ist das Schmalz im Teig.
Das macht sie so unglaublich mürb – fast wie Sandgebäck, das auf der Zunge zerfällt.
Und bitte:
Kein Kompromiss beim Powidl.
Der muss dick, dunkel und intensiv sein – sonst fehlt die Seele.
Was ist Schmer?
Viele kennen Schmer heute gar nicht mehr. Dabei handelt es sich um das feine Fettgewebe vom Schwein, das früher nach jedem Schlachttag sorgfältig ausgelassen oder für Mehlspeisen verwendet wurde. Gerade bei den Donauschwaben im Banat waren Schmerkipferl deshalb ein typisches Gebäck für die kalte Jahreszeit. Das Schmer macht den Teig besonders mürbe und sorgt für den unverwechselbaren Geschmack. Wer keinen Schmer bekommt, kann Butter oder Margarine verwenden – das Original bleibt aber die Variante mit Schmer.
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Zum Schluss noch eine Frage an dich:
Kennst du auch so ein Rezept von früher, das leider nie aufgeschrieben wurde?
Oder hast du vielleicht selbst noch ein altes Familienschmankerl im Kopf?
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