Prominententopf: eine persönliche Erinnerung und ein klassischer Apfelstrudel mit Strudelteig

In meiner Dienstagserie „Prominententopf“ geht es um die Leibspeise eines Menschen. Ob Politiker, Schauspielerin, Sänger oder Bundespräsident: Wenn mir jemand sein Lieblingsgericht verraten hat, kann daraus eine Geschichte werden. Dabei bin ich als Kochjournalist und Foodblogger neutral. Es zählt die Leibspeise – nicht, ob ich die betreffende Person persönlich mochte.
Ein Österreicher, den man sogar im Ausland kannte
Für mich gehört Jörg Haider zu den bekanntesten österreichischen Politikern – gleich nach Bruno Kreisky. Wenn ich auf Reisen in Ägypten, Indien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten erzählte, dass ich aus Österreich komme und nicht aus Australien, kam manchmal die Antwort: „Ah, wo der Jörg Haider ist!“
Jörg Haider war mein Chef, als ich beim Land Kärnten arbeitete. Politisch gehörte ich nicht zu seiner Gesinnungsgemeinschaft, und Freunde waren wir nie. Einmal drohte er mir sogar mit der Kündigung, weil ich auf etwas vergessen hatte. Das habe ich nicht vergessen – aber ich schreibe darüber ohne Groll.
Unabhängig davon halte ich Jörg Haider für einen der prägendsten Politiker der österreichischen Zeitgeschichte. Man musste seine politische Haltung nicht teilen, um anzuerkennen, dass er Menschen bewegen und die Politik verändern konnte. In meiner Serie geht es heute um seine Leibspeise – und darum, was am Ende auf seinem Teller lag.
Einmal stand Jörg Haider sogar eine Stunde lang mit mir bei der Bierausschank. Freunde wurden wir deshalb nicht. Aber diese Begegnung ist mir in Erinnerung geblieben.
Eine Leibspeise, die ich mir gemerkt habe
Abseits einer Pressekonferenz verriet er mir einmal seine Leibspeise. Ich hatte mir angewöhnt, mir die Lieblingsgerichte der Prominenten zu merken – und auch dieses blieb hängen:
Apfelstrudel, aber ohne Rosinen.
Gemeint war kein Apfelstrudel aus Blätterteig, sondern einer mit klassischem Strudelteig. Diese Vorliebe wurde später auch öffentlich erwähnt: Die Tiroler Tageszeitung berichtet, dass Haider den Apfelstrudel ohne Rosinen mochte. Für den Dokumentarfilm Fang den Haider buk seine Schwester Ursula Haubner einen Strudel „so wie mein Bruder ihn gerne gehabt hat“.
Bericht der Tiroler Tageszeitung · Bericht im Kurier
Eine Erinnerung mit hellen und dunklen Seiten
Vor wenigen Tagen jährte sich Jörg Haiders Todestag zum 18. Mal. Von meinem Fenster aus kann ich die Straße sehen, an der sein Leben endete. Wenn ich an der Unfallstelle vorbeifahre, muss ich oft an ihn denken – an die Begegnungen, die ich mit ihm hatte, und ebenso an das, was mich an ihm gestört hat.
Heute widme ich ihm im „Prominententopf“ keine politische Würdigung. Ich koche die Leibspeise, die er mir verraten hat: Apfelstrudel mit knusprigem Strudelteig und saftiger Apfelfülle – ohne Rosinen.

Apfelstrudel ohne Rosinen
Zutaten
Zubereitung
- Mehl und Salz in eine Schüssel geben. Ei, Öl und zunächst etwa 100 ml lauwarmes Wasser hinzufügen. Zu einem glatten, geschmeidigen Teig kneten. Falls nötig, nach und nach noch etwas Wasser einarbeiten.
- Den Teig zu einer Kugel formen, dünn mit Öl bestreichen und zugedeckt bei Zimmertemperatur etwa 30 Minuten rasten lassen.
- Butter in einer Pfanne schmelzen. Semmelbrösel darin bei mittlerer Hitze goldgelb rösten. Beiseitestellen.
- Äpfel schälen, entkernen und in dünne Scheiben schneiden. Mit Zucker, Zimt und Zitronenschale vermischen.
- Ein großes Tuch leicht bemehlen. Den Teig zuerst dünn ausrollen, dann mit den Handrücken vorsichtig von der Mitte nach außen ausziehen, bis er sehr dünn ist. Dicke Teigränder abschneiden.
- Den Teig mit zerlassener Butter bestreichen. Geröstete Brösel auf dem unteren Teigdrittel verteilen und die Apfelfülle daraufgeben. Seitliche Teigränder einschlagen.
- Den Strudel mithilfe des Tuchs von der belegten Seite her aufrollen. Mit der Naht nach unten auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und mit zerlassener Butter bestreichen.
- Im vorgeheizten Backrohr bei 190 °C Ober-/Unterhitze etwa 40 Minuten goldbraun backen.
- Kurz abkühlen lassen, mit Staubzucker bestreuen und am besten noch lauwarm servieren.
