Früher, als meine liebe Schwiegermutter Gerti noch lebte, wurden wir oft zu ihr zum Essen eingeladen. Große Sprünge konnte damals niemand machen. Unser Haushaltsbudget war knapp, aber ich glaube, viel Geld hatte zu dieser Zeit ohnehin kaum jemand.
Geizig waren meine Schwiegereltern jedoch nie. Ganz im Gegenteil: Für sie war es am wichtigsten, dass alle gemeinsam um den Tisch saßen und jeder satt wurde.
Meine Schwiegermutter selbst hat eigentlich selten mit uns gegessen. Der Platz war knapp, und sie stand meistens neben dem Herd. Ich glaube aber, sie wartete ganz bewusst ab, ob für alle genug da war. Erst wenn jeder versorgt war, dachte sie an sich selbst.
Oft kamen auch noch Verwandte ganz zufällig vorbei. Und wie durch ein kleines Küchenwunder war sogar für diese unangemeldeten Gäste noch genügend Essen da.
Diese Einstellung habe ich von ihr übernommen: Lieber fünf Portionen zu viel als eine zu wenig. Bei mir soll ebenfalls niemand hungrig vom Tisch aufstehen.
Einfache Gerichte waren oft die besten
Weil das Geld nicht locker saß, kamen bei meiner Schwiegermutter häufig einfache und günstige Speisen auf den Tisch. Aber einfach bedeutete keineswegs langweilig. Manche dieser Gerichte waren so gut, dass sie mir bis heute in Erinnerung geblieben sind.
Von einem möchte ich euch heute erzählen: Süßkraut mit Nudeln.
Kein vornehmes Essen, kein Schnickschnack und keine ausgefallenen Zutaten – aber einfach nur saugut. Genau dieses Gericht gibt es heute wieder bei uns.

Rezept für Süßkraut mit Nudeln
Zutaten für etwa 4 bis 5 Portionen
- 1 Kopf Braunschweiger Kraut, etwa 1 bis 1,2 kg
- 400 g Fleckerl oder andere kurze Nudeln
- 1 große Zwiebel
- 2 EL Schweineschmalz
- 2 EL Zucker
- 2 bis 3 EL Mostessig
- Salz
- frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- 1 TL ganzer Kümmel
- zwei Zehen Knoblauch
- bei Bedarf ein kleiner Schuss Wasser oder Suppe
Zubereitung
Das Kraut vierteln und den Strunk herausschneiden. Anschließend das Kraut in nicht zu kleine Würfel schneiden.
Die Zwiebel schälen und fein schneiden. Das Schweineschmalz in einem großen Topf erhitzen und die Zwiebel darin goldgelb anrösten.
Nun den Zucker dazugeben und unter ständigem Rühren leicht karamellisieren lassen. Dabei aufpassen, dass er nicht zu dunkel wird, sonst schmeckt er bitter.
Das geschnittene Kraut in den Topf geben und bei etwas stärkerer Hitze mitrösten. Es darf ruhig ein wenig Farbe bekommen, denn genau das sorgt später für den kräftigen Geschmack.
Mit Salz, reichlich schwarzem Pfeffer, Knoblauch und ganzem Kümmel würzen. Einen ordentlichen Schuss Mostessig dazugeben. Ich verwende dafür gerne den Mostessig vom Duller aus dem Lavanttal.
Das Kraut zugedeckt bei kleiner Hitze langsam weich dünsten. Zwischendurch umrühren. Sollte sich zu wenig Flüssigkeit bilden, einfach einen kleinen Schuss Wasser oder Suppe dazugeben. Das Kraut soll weich werden, aber nicht zu einem Brei zerfallen.
Inzwischen die Fleckerl oder Nudeln in reichlich Salzwasser kernig kochen und anschließend abseihen. Besonders gut schmeckt das Gericht natürlich mit selbst gemachten Fleckerln.
Die Nudeln unter das Kraut mischen und alles gemeinsam noch einige Minuten fertig dünsten. Zum Schluss noch einmal mit Salz, Pfeffer und eventuell einem kleinen Schuss Mostessig abschmecken.
Mein Küchentipp
Süßkraut mit Nudeln schmeckt besonders gut, wenn das Kraut langsam geröstet wird und dabei ordentlich Farbe bekommt. Wer es gerne kräftiger mag, gibt beim Servieren noch frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer darüber.
Und wie bei vielen Krautgerichten gilt: Aufgewärmt schmeckt es am nächsten Tag beinahe noch besser – sofern überhaupt etwas übrig bleibt.
Liebe Gerti, dieses Essen ist für dich

Liebe Gerti, ich weiß, du schaust uns irgendwo zu. Wir denken an dich – nicht nur wegen deiner kulinarischen Köstlichkeiten, sondern vor allem, weil du ein ausgesprochen guter und herzlicher Mensch warst.
Du warst ganz und gar nicht jene Schwiegermutter, von der in den vielen Geschichten über „schlimme Schwiegermütter“ erzählt wird. Du hast dafür gesorgt, dass alle satt wurden, hast für deine Familie gelebt und dich selbst dabei oft an die letzte Stelle gesetzt.
Heute steht dein Süßkraut mit Nudeln wieder auf unserem Tisch. Ein einfaches Gericht, das nach viel mehr schmeckt: nach Familie, gemeinsamen Stunden und schönen Erinnerungen.
Dieses Rezept ist für dich, liebe Gerti.
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