Endlich ist es wieder so weit: Der Villacher Kirchtag beginnt – und das heuer bereits zum 81. Mal, mit der Villacher Kirchtagssuppe

Für viele Kärntner ist der Kirchtag der Höhepunkt des Sommers. Tracht anziehen, durch die Villacher Innenstadt spazieren, Musik hören, tanzen, feiern und vielleicht das eine oder andere Villacher Bier genießen.
Ich muss allerdings ehrlich sagen: Der ganz große Kirchtagsfan bin ich nicht.
In die Tracht, die ich damals zu meiner Hochzeit getragen habe, passe ich schon lange nicht mehr hinein. Der Anzug ist nämlich im Laufe der Jahre auf geheimnisvolle Weise immer enger geworden. Wahrscheinlich haben ihn die Kalorien heimlich zusammengenäht.
Tanzen ist inzwischen auch nicht mehr ganz so meines. Alkohol und Autofahren vertragen sich bekanntlich überhaupt nicht, und die Züge nach Villach sind während des Kirchtags oft so voll, dass man schon beim Einsteigen Körperkontakt mit Menschen hat, die man eigentlich noch gar nicht kennt.
Aber eines liebe und schätze ich am Villacher Kirchtag ganz besonders:

Die Villacher Kirchtagssuppe
Denn diese Suppe ist viel mehr als nur eine Vorspeise. Sie ist Kärntner Brauchtum, Familiengeschichte und Festtagsküche in einem Teller.
Beim Villacher Bier ist das mit dem echten Villacher Original inzwischen so eine Sache. Es wird heute nämlich nicht mehr ausschließlich in Villach gebraut. Da bleibt für mich als kulinarisches Original vor allem die berühmte Kirchtagssuppe.
Und die hat es wirklich in sich.
Vor Kurzem habe ich mir am Markt beim Frierss ein Glas Villacher Kirchtagssuppe zum Mitnehmen gekauft. Der Preis war durchaus stolz. Da musste selbst ich als Pensionistenkoch kurz schlucken.
Einen Reindling hätte es natürlich auch dazu gegeben. Den habe ich leider vergessen mitzunehmen. Das ist ungefähr so, als würde man ein Gulasch bestellen und auf das Gebäck vergessen.
Aber ich kann euch sagen: Diese Villacher Kirchtagssuppe vom Frierss war jeden Cent wert.
So eine gute Kirchtagssuppe habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Kräftig, leicht säuerlich, fein gewürzt, wunderbar cremig und voller Fleischgeschmack. Genau so muss eine Kirchtagssuppe schmecken.
Natürlich hat bei mir sofort der alte Kochfuchs zu schnüffeln begonnen.
Was ist da drinnen? Wie wurde sie gekocht? Und vor allem: Wie kann man sie zu Hause nachkochen?
Also habe ich mir ein traditionelles Rezept besorgt und für euch küchentauglich aufgeschrieben.

Villacher Kirchtagssuppe
Zutaten für etwa 8 Personen
Für die Suppe
- 500 g Rindfleisch, beispielsweise Wadschinken oder Schulter
- 400 g Kalbfleisch
- 400 g Schweinefleisch
- 1 kleines Suppenhuhn oder etwa 500 g Hühnerfleisch
- 2 bis 3 Markknochen
- 2 Karotten
- 1 gelbe Rübe
- 1 Stück Sellerie
- 1 Petersilienwurzel
- 1 kleine Stange Lauch
- 1 Zwiebel
- 2 Lorbeerblätter
- 6 Pfefferkörner
- 4 Wacholderbeeren
- Salz
- etwa 3 Liter Wasser
Zum Vollenden
- 500 ml Sauerrahm
- 250 ml Schlagobers
- 2 bis 3 Esslöffel Mehl
- 2 Eidotter
- 100 ml Weißwein
- 2 bis 3 Esslöffel Weißweinessig
- 1 Prise Zimt
- 1 Prise gemahlene Nelken
- etwas Muskatnuss
- schwarzer Pfeffer
- Salz
- etwas Zucker nach Geschmack
- frische Petersilie
Zubereitung
1. Fleisch und Suppe ansetzen
Das Fleisch und die Knochen in einen großen Topf geben und mit kaltem Wasser bedecken.
Langsam zum Kochen bringen. Den dabei entstehenden Schaum sorgfältig abschöpfen. Das ist wichtig, damit die Suppe später schön klar und sauber im Geschmack bleibt.
Das geputzte Suppengemüse, die halbierte Zwiebel, Lorbeerblätter, Pfefferkörner und Wacholderbeeren dazugeben.
Die Suppe nur leicht köcheln lassen. Sie soll nicht wild sprudeln, sondern gemütlich vor sich hinziehen. Je nach Fleischstück dauert das etwa zwei bis drei Stunden.
Das Hühnerfleisch benötigt meist weniger Zeit und kann früher aus der Suppe genommen werden.
2. Fleisch schneiden
Sobald das Fleisch weich ist, aus der Suppe heben und etwas auskühlen lassen.
Die Suppe durch ein feines Sieb abseihen. Das Fleisch von Fett, Knochen und Sehnen befreien und in kleine, mundgerechte Würfel schneiden.
Traditionell kommen mehrere Fleischsorten in die Kirchtagssuppe. Genau diese Mischung macht ihren kräftigen und besonderen Geschmack aus.
3. Rahmguss vorbereiten
Sauerrahm, Schlagobers, Mehl und Eidotter in einer Schüssel glatt verrühren.
Damit der Rahm in der heißen Suppe nicht ausflockt, einige Schöpfer heiße Suppe langsam unter die Rahmmischung rühren.
Anschließend die Mischung unter ständigem Rühren zurück in den Suppentopf geben.
Die Suppe nun nur noch sanft erhitzen. Sie darf ab diesem Zeitpunkt nicht mehr stark kochen.
4. Typisch säuerlich abschmecken
Weißwein und zunächst zwei Esslöffel Essig dazugeben.
Nun kommen die Gewürze ins Spiel: eine kleine Prise Zimt, eine Prise Nelkenpulver, etwas Muskatnuss, Pfeffer und Salz.
Bei Zimt und Nelken bitte vorsichtig sein. Die Kirchtagssuppe soll fein würzig schmecken und nicht wie ein Weihnachtskeks.
Zum Schluss je nach Geschmack noch etwas Essig oder eine kleine Prise Zucker dazugeben. Die Suppe soll angenehm säuerlich, würzig und cremig schmecken.
Das geschnittene Fleisch wieder hineingeben und einige Minuten ziehen lassen.
Mit gehackter Petersilie bestreuen.
Mein Küchentipp
Die Kirchtagssuppe schmeckt am nächsten Tag oft noch besser. Dann haben sich Fleisch, Gewürze und die feine Säure richtig miteinander verbunden.
Beim Aufwärmen aber nicht mehr stark kochen, sonst kann der Rahm ausflocken.
Und ganz wichtig: Dazu gehört natürlich ein Stück Kärntner Reindling.
Nicht so wie bei mir, der voller Vorfreude die Suppe gekauft und den Reindling am Markt liegen gelassen hat.
Warum wird die Kirchtagssuppe oft in geteilten Gulaschtellern serviert?
Traditionell wird die Kirchtagssuppe gerne in tiefen, teilweise geteilten Gulaschtellern serviert.
In das große Fach kommt die heiße Suppe, in das kleinere Fach ein Stück süßer Reindling. Dadurch liegt der Reindling nicht ständig in der Suppe, kann aber Stück für Stück hineingetunkt werden.
Diese Verbindung klingt für manche zunächst ungewöhnlich: saure Fleischsuppe und süßer Reindling.
Aber genau dieser Gegensatz macht den besonderen Reiz aus. Die würzige, leicht säuerliche Suppe und der süße, zimtige Reindling passen erstaunlich gut zusammen.
Wer es einmal probiert hat, versteht, warum dieses Gericht seit Generationen zum Kärntner Kirchtag gehört.
Mein Sonntagsglück
Ich brauche kein volles Festzelt, keine zu enge Tracht und auch keinen Tanz bis in die frühen Morgenstunden.
Mein persönliches Sonntagsglück ist ein guter Teller Villacher Kirchtagssuppe, ein Stück Reindling und das Gefühl, dass manche kulinarischen Traditionen noch genauso schmecken wie früher.
Die gekaufte Suppe vom Frierss war ausgezeichnet. Aber eines ist sicher: Der alte Kochfuchs wird die Kirchtagssuppe jetzt auch selbst ansetzen.
Und den Reindling vergesse ich beim nächsten Mal garantiert nicht.
Zumindest schreibe ich ihn vorher auf den Einkaufszettel.
👨🍳 Bleib mir in der Küche treu 💚
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