Donnerstags-Serie: Uralte Kärntner Rezepte
Es gibt Gerichte, die wärmen nicht nur den Bauch, sondern auch das Herz.
Ritschert ist genau so eines.
Wenn in Kärnten ein großer Topf am Herd steht und es nach Selchfleisch, Liebstöckel und Gerste duftet, dann weiß jeder: Heute wird’s gemütlich. Heute kommt die Familie zusammen. Heute gibt’s Ritschert.
Dieses Rezept stammt aus der Küche von Miriam, meiner Tochter, die über viele Jahre hinweg zur echten Meisterin dieses traditionellen Gerichts geworden ist. Wer glaubt, Ritschert sei ein einfacher Eintopf, hat noch nie gesehen, wie viel Erfahrung, Schneidarbeit und Gefühl in einem wirklich guten Kärntner Ritschert stecken.

Ein Familienfest mit Kärntner Tradition – Miriams legendäres Ritschert
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Ritschert gehört zur bäuerlichen Küche der Alpenregion und ist in Kärnten, Slowenien und Teilen Bayerns tief verwurzelt. Früher wurde er für viele Menschen gekocht – nicht selten in Töpfen mit 30 oder sogar 50 Litern Inhalt.
Er ist nahrhaft, deftig, preiswert und ideal zum Vorkochen. Vor allem aber ist er eines: ehrlich.
Was ist Kärntner Ritschert?
Ritschert ist ein kräftiger Eintopf aus Rollgerste, Bohnen, Gemüse und geselchtem Fleisch. Die Basis bildet eine gute Selchsuppe, die dem Gericht Tiefe und Charakter verleiht. Die Rollgerste sorgt für Bindung und Sättigung, das Gemüse für Frische, und das Fleisch für den unverwechselbaren Geschmack.
Miriams Original Kärntner Ritschert

Rezept für ca. 20 Portionen
Zutaten
- 2 Dosen weiße Bohnen
- 4 kleine Dosen Indianerbohnen (rote Bohnen)
- ½ kg Rollgerste
- 2 kg speckige Erdäpfel
- 2 Bund Suppengrün (Karotten, Petersilienwurzel, Sellerie, Porree)
- 2 Zwiebeln, geröstet
- 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
- 2 kg Selchfleisch (roh, für eine kräftige Selchsuppe)
- 1 Handvoll frischer oder TK-Liebstöckel (Luststock)
- etwas Majoran
- 4 Lorbeerblätter
- etwas Thymian
- Selleriegrün oder Petersilie
- ein Hauch Salbei
- Salz, schwarzer Pfeffer
- selbstgemachte Suppenpaste oder Suppenwürfel
- ein Spritzer Most oder Apfelessig
- Wasser
Zubereitung
1. Selchfleisch kochen
Das Selchfleisch in einem großen Topf mit ausreichend Wasser langsam weich kochen.
Anschließend herausnehmen, auskühlen lassen und in kleine Würfel schneiden.
Die entstandene Selchsuppe bleibt im Topf und dient als Basis für das Ritschert.
2. Rollgerste kochen
Die Rollgerste in der Selchsuppe weich kochen. Sie gibt dem Ritschert seine typische Konsistenz und den leicht nussigen Geschmack.
3. Gemüse und Gewürze zugeben
Nach etwa der halben Garzeit das klein gewürfelte Suppengrün, die Erdäpfel, geröstete Zwiebeln, Knoblauch sowie Lorbeerblätter, Majoran, Thymian und Liebstöckel hinzufügen.
Alles gemeinsam rund 10 Minuten köcheln lassen.
4. Fleisch und Bohnen einrühren
Die Fleischwürfel und die abgetropften Bohnen unterrühren.
Mit Salz, Pfeffer, Suppenpaste und einem Spritzer Most oder Apfelessig abschmecken.
5. Konsistenz prüfen
Ist das Ritschert zu dünn, kann es sparsam mit etwas Mehl oder Kartoffelstärke gebunden werden. Vorsicht: Die Rollgerste quillt beim Stehen weiter nach.
Servieren
Am besten schmeckt Kärntner Ritschert:
- mit einer frischen Scheibe Roggenbrot
- und einem kühlen Bier
Für den gemütlichen Abschluss darf auch ein kleiner Schnaps nicht fehlen.
Miriams Tipps aus der Küche
- Liebstöckel immer frisch oder tiefgekühlt verwenden, getrockneter bringt kaum Aroma
- Ritschert eignet sich hervorragend zum Einfrieren
- Wird er erst am nächsten Tag gegessen, besser nicht binden
- Große Mengen nach dem Kochen auf kleinere Töpfe aufteilen, damit er über Nacht nicht sauer wird
(Peter Opa musste so schon einmal 30 Liter entsorgen – ein Drama) - Keine Experimente: Ritschert gehört in den großen Topf. Ein Thermomix gilt hier als Sakrileg.
Warum Ritschert mehr als nur ein Gericht ist
Kärntner Ritschert steht für Tradition, Gemeinschaft und den respektvollen Umgang mit einfachen Zutaten. Er bringt Generationen an einen Tisch und zeigt, dass gutes Essen keine Spielereien braucht – nur Zeit, Geduld und Liebe.
Ein Gericht wie früher.
Ein Geschmack wie daheim.
Mahlzeit – und bis nächsten Donnerstag bei den uralten Kärntner Rezepten! 🥄
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